Korrekturen? Ergänzungen? Schreiben Sie an stoebener@augsburg-wiki.de


Hauptseite | Bevölkerung und Politik | D | David von Augsburg


David von Augsburg

David de Augusta. Ein Franziskaner und Verfasser spiritueller, vornehmlich aszetisch-mystischer Schriften.

Leben

Wann David von Augsburg geboren wurde, ist unklar. Manche Quellen geben das Jahr 1200, andere das Jahr 1210 an. Auch ist nicht sicher, dass er in Augsburg geboren wurde. Sicher ist aber, dass der Name als Herkunftsname zu verstehen ist. Seine Eltern sollen ihn fromm erzogen und ihn für die wissenschaftliche Laufbahn bestimmt haben, weil er großes Talent an den Tag legte. 1221 ließ er sich durch die ersten Franziskaner in Augsburg inspirieren, um Aufnahme in die Gemeinschaft zu bitten.

Wann genau David von Augsburg aber Franziskaner wurde, ist auch unklar. Jedenfalls aber war er eines der ersten deutschen Ordensmitglieder. Er muss aber schnell große Fortschritte im Ordensleben gemacht haben, denn seine Oberen bestellten ihn bald zum Lehrer der Theologie. Schon im Magdeburger Kloster wirkte er an der Ausbildung der Novizen mit, um 1240 jedoch ist er als Novizenmeister in Regensburg tätig. Unter den dortigen Novizen war auch Berthold von Regensburg?. Noch 1246 ist David von Augsburg in Regensburg als Visitator bezeugt. Auch begleitete er den Regensburger Bischof Berthold auf Predigtreisen und war an der Inquisition der Waldenser beteiligt. Irgendwann danach (ab 1247 oder 1250) wurde er nach Augsburg ins Barfüßerkloster versetzt und wirkte hier bis zu seinem Tod.

Gestorben ist David von Augsburg entweder am 15. oder am 19. November 1272 in Augsburg.

Man hat David von Augsburg schon bald wie einen Heiligen verehrt, ihn aber nie kanonisiert.

Wirken

Das Wirken Davids kann nicht hoch genug geschätzt werden. Er war einer der ersten Wanderprediger, die das Land durchzogen und Volkspredigten hielt. Meist zog er mit Berthold von Regensburg?, seinem früheren Novizen und Freund zusammen durch Süddeutschland. Und: Er war vielleicht der größte Mystiker des Franziskanerordens, jedenfalls der erste Mystiker, der in deutscher Sprache veröffentlichte, wenn er daneben auch auf Latein schrieb. Die Folge seiner volkssprachlichen Schriften war, dass sich Augsburg zu einem der Zentren der volkssprachlichen (theologischen) Literatur entwickelte.

Viele der Predigten Davids sind noch erhalten und zeigen, dass er geistvoll reden konnte.

Lange Zeit war David von Augsburgs Bedeutung nicht bekannt. Seine Schriften verstaubten in Bibliotheken und seine lateinischen Werke wurden oft dem heiligen Bernhard von Clairvaux oder dem heiligen Bonaventura zugeschrieben, was den hohen spirituellen Wert seiner Schriften bezeugt. Erst im 19. und 20. Jahrhundert beschäftigte sich die Wissenschaft wieder mit seinen Schriften und würdigte sie.

Seine Schriften berühren das Herz und lenken den Geist des Lesers zum Schönen und Göttlichen. David zeigt sich in ihnen zwar als Mystiker, doch lehnt er Ekstase und irgendwelche besonderen spirituellen Erlebnisse ab. Sie seien oft Spiegelungen des eigenen Geistes oder Vorstufen des Wahnsinns. Damit unterscheidet er sich wohltuend von anderen theologischen Schriftstellern seiner Zeit.

Sein Hauptwerk ist "De exterioris et interioris hominis compositione". Es war eines der wichtigsten Lehrbücher einer methodischen Meditation. In dem Buch übernahm David den dreifachen Weg von Wilhelm von St. Thierry als Grundmuster des Aufstiegs zum geistlichen Leben. Im ersten Buch wendet er sich den Beginnenden, den Novizen, zu, im zweiten schreibt er für die Fortgeschrittenen und lehrt eine Wiederherstellung der augustinischen Seelenkräfte ratio, voluntas und memoria. Das dritte Buch zeigt sieben Stufen zur Vollkommenheit auf. Im siebten Schritt des dritten Buches bietet er eine mystische Theologie auf der Basis der Mystiker des 12. Jahrhunderts (Wilhelm, Bernhard von Clairvaux). Dieses Buch von David hatte bedeutenden Einfluß auf die Devotio moderna; Johannes von Kastl benutzte es in seinem Werk "De adhaerendo Dei" und Johannes von Indersdorf in seinem Buch "Von dreierlei Wesen der Menschen".

Im Schwabenspiegel?, der süddeutschen Sammlung des Zivilrechts, die um 1268 in Augsburg erschien, ist ebenfalls noch Davids schriftstellerischer Einfluss nachzuweisen.

So wurde David von Augsburg - und darin liegt seine größte Bedeutung - zu einem Wegbereiter des Schrifttums in deutscher Sprache, weil er nicht nur auf Latein veröffentlichte, wie es zu seiner Zeit üblich war, sondern sich auch in vielen seiner Werke der deutschen Volksprache bediente.

Werke (Auswahl)

David von Augsburgs Werk "Vom äußeren und inneren Menschen" war eine der beliebtesten mittelalterlichen Schriften zur geistlichen Unterweisung. Das Werk zeichnet sich durch Sensibilität für innere Haltungen sowie einem großen Respekt vor dem Einzelnen und seinem geistlichen Weg aus. Anders ausgedrückt: Das Material – der von Gott geschaffene Mensch – ist gut, es muss nur (neu) geformt werden. Und dabei ist für jeden, egal an welchem Punkt des geistlichen Lebens er angelangt ist, immer noch ein Fortschritt möglich; nicht als Zwang zu mehr Leistung, sondern als Einladung zu Wachstum, Entwicklung und Reifung.

Lateinische Schriften

  • Pia et devota opuscula, Augsburg 1596. - De exterioris et interiosis hominis compositione secundum triplicem statum incipientium, proficientium et perfectorum libri tres: Diese Unterweisungen für Novizen und Mönche sind in mehr als 370 Handschriften erhalten
  • De inquisitione haereticorum: verfasst nach 1256
  • Expositio Regulae: eine Erklärung und Kommentierung der Regeln des hl. Franziskus
  • De exterioris et interioris hominis compositione: "Von der äußerlichen und innerlichen Beschaffenheit des Menschen" beschreibt einen dreifachen Weg des Aufstiegs zum geistlichen Leben. Diese Schrift war das Hauptwerk Davids und eines der erfolgreichsten Lehrbücher des geistlichen Lebens.

Deutsche Schriften

  • Die sieben Vorregeln der Tugend: eine Schrift für Mönche
  • Der Spiegel der Tugend: ebenfalls eine Schrift für Mönche
  • Die sieben Staffeln des Gebetes
  • Christi Leben unser Vorbild
  • Die vier Fittiche geistlicher Betrachtung
  • Von der Anschauung Gottes
  • Von der Erkenntnis der Wahrheit
  • Von der unergründlichen Fülle Gottes
  • Betrachtungen und Gebete

Am Rande erwähnt

David von Augsburg äußert sich auch über das Lachen: "Risus tuus sit moderatus et rarus, sine cachinno." Also: Lachen ist schon gestattet, aber lautes Auflachen oder Kichern nicht! Eine echt Augsburger Stellungnahme zum Humor!

Weblinks


Hauptseite | Bevölkerung und Politik | D | David von Augsburg


Korrekturen? Ergänzungen? Schreiben Sie an stoebener@augsburg-wiki.de




FacebookTwitThis
Pin ItMister Wong