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Das Augsburgische Jahr

Eine anonyme Schrift aus dem 18. Jahrhundert über das damalige Augsburger Veranstaltungsjahr.

Allgemeines

Der Titel der kurzen Schrift lautet eigentlich:

Das
Augspurgische
Jahr einmalh,
Oder
Kurtze Beschreibung
Alles dessen
Was durch das gantze Jahr einmahl
in Augspurg zu sehen oder zu
begehen
Mit poetischer Feder
entworffen
Von Einem Liebhaber der Teutschen
Poesie.

Die Schrift beruht auf einer Handschrift aus dem Jahre 1734 und wurde in den Jahren 1743, 1764 und 1768 gedruckt. Im 20. Jahrhundert erschienen Reprints, z. B. im Jahr 1953.

Der Text

Vorrede

Über das Augspurgische Jahr einmahl.

Hier folget nach der Monath-Zahl,
Was man zu Augspurgs Jahr einmahl
Zu sehen oder zu begehen,
Einmahl kan ja nicht offt geschehen,
So schein es zwar, jedoch wann wird
Zusammen all diß Zeug summirt,
So wird nicht von dem besten Leben
Bey manchem es ein Facit geben,
Aus vielen Mährlein kommt einmahl
Davon es endlich lautet kahl.

Januarius

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So meld ich dann vor allen Dingen:
Das Neu Jahr fangt man an mit Singen
Und Johlen alle Gassen voll,
Daß man darob möcht werden doll,
Da dann das Pfeiffen, Geigen, Paucken
Zu stiller Ruh kan trefflich taugen.
Um diese Zeit ist der Gebrauch,
daß man besuch die Kripplein auch,
Da kan man Wiegen-Liedlein hören,
Geschichts Jahr einmahl, wer wollt es wehren.
Gibt es ein Bahn zur Schlitten-Fahrt
So findt man sich gar bald gepaart,

Ums Städelein und die Röhr-Kästen
Geht allezeit der Zug am besten.
Der Jäger macht wohl selbst die Bahn,
Daß durch die Au man fahren kan,
Und in der Stadt macht man ein Rädli
Und thut im Wirths-Hauß dann ein Thätli.
Ist dann der Frost so starck und scharf,
Daß man dem Graben trauen darf,
So thut man auch die Müh nicht spahren
Und sehen auf den Schlittschuh fahren.

Februarius

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Im Hornung gibt es diese Freud,
Daß sich annaht die Faßnachts-Zeit,
Da wird sich vor der Thür und Schwellen
Der Holla-Mütterly einstellen,
Und laden zu dem schönen Fest,
Worzu es da und dort gibt Gäst.
Auf die Reduten wird mit Hauffen,
Die ledig Bursch zu der Zeit lauffen,
Auch, daß man meynt was schöns zu sehn.
In die Faßnachts-Comidi gehn.
Gleich fällt mir noch ein Stücklein ein,
Man hört in Reimen hübsch und fein
Den Sommer und den Winter streiten,
Welch'r besser sey zu diesen Zeiten,
Auch nimmt jetzt mancher für den G'schlier
Ein Fasten-Pretzen zu dem Bier.

Martius

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Sticht nun das Graß ein wenig vor,
So sehnt man sich gleich vor das Thor,
Macht keinen Mertzen-Staub die Sonnen,
So geht man wenigst in G'sund-Bronnen,
Es ist ein leichts das Kinder freut,
Und denen Alten kürtzt die Zeit.
Will man noch mehr Ergötzung haben,
So geht man an den Hirschen-Graben,
Und zeigt den Kindern diese Thier,
Lockt sie dann mit dem Brod herfür,
Geht wohl der Aehni samt der Ahnen,
Und zeigt den Enckeln selbst die Schwanen.
Noch ist zu dieser Zeit bewust
Dem Frauenzimmer eine Lust.
Daß man geht in das Feyelen-Zopffen,
Da gibt es manchen armen Tropffen,
Der da gezopfft wird mit dem Maul
So bey dem Weibs-Volck selten faul.

Aprilis

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Wenn Ostern bald heran will kommen,
Wird der Gebrauch in acht genommen,
Daß unter die Kirrweyh man geh,
Und ja den Palmen-Esel seh,
Die Kinder auch darauf läßt reiten,
G'schichts Jahr einmahl, was solls bedeuten?
Bald folget die Proceßion,
Man blieb nicht um viel Geld davon,
Daß man das Geißlen nicht sollt sehen,
Deßgleichen zu den Gräbern gehen.
Kommt Ostern, so legt Eyr der Haas,
So wohl in Häusern als im Gras.
Um Oster-Dienstag darf man glauben,
Ist eine Freud ums Eyer-Klauben,
Früh nach Hausstädten geht die Reiß,
Gleich nach der Predigt, wie man weiß.
Ist Ostern kaum acht Tag vorbey,
So ist die erste Kirreweyh,
Doch ists Geld-Lösen nicht gar viel,
Georgi-Tag verderbt das Spiel.
Was man bey kurtzen Winter-Tagen
Von Leinwand hat zusammen tragen,
Das bringt man jetzo auf die Bleich,
Und geht spatzieren so zugleich.
Man findt die Kinder mit den Eltern
Sowohl in Garten als in Feldern.
Wann der Frühling anmuthig reich,
jetzt gibt es auch die Nasen-Leich.

Majus

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So bald als nur ankommt der Mayen,
Sich Zimmerleuth und Maurer freuen,
Und stecken vors Bau-Herren Hauß
Ein Tannen-Baum der drüber naus,
Weit gehet, doch wie ich jetzt meld',
Daß sie bekomm'n ein gut Trinck-Geld.
Auch sind sehr viele welche passen,
Wenn es jetzt sey gut Aderlassen,
Sowohl dem Beutel als dem Leib
Da ich die G'späß dann nicht beschreib,
So diß und jene sich erwählen,
Weil es an Zeit und Platz wurd fehlen.
Kurz, da besucht so Herr als Frau,
Den Bach, Schieß-Graben, Rosenau,
Daß das Blut werd im Grünen frisch,
Die sieben Bronnen, sieben Tisch,
Den hübschen Ablaß auch nicht minder,
Da schleppt man mit so Magd als Kinder,
Doch bleibt dem Jäger-Häußlens Prä.
Man fahre, reite oder geh,
So ist der Weeg mit Lust geziert,
Und droben man accomodirt;
Ob gleich der Wirth dort ziemlich schneidt,
Die theure Zech doch niemand reut,
Bey solchem Fall läßt sich nicht spahren,
Man muß auf Wurst und Kutschen fahren,
Und sich ergötzen auf dem Land
Mit Pomerantzen in der Hand.
Deßwegen stehn ja Thore offen.
Vor diesem giengs starck nach Gersthofen,
Weil alles trefflich eingericht,
Und um sein Geld ein Lieb eim g'schicht,
Trutz einem Orth. Ein Zeit her aber
Geht starck die Wallfahrt nach Kriegshaber,
Nach Teffertingen, Geilenbach,
Der Steppner Wirth gibt auch nichts nach,
Und nach Haußstädten gehts auch wacker,
Hingegen trücknet ein Banacker.
Doch was darff ich die Ort beschreiben,
Da man sich thut die Zeit vertreiben?
Die Leuth sind ja gescheid genug
Und auf das delicatste klug.
Den eilften May kan man auch sehen
Mit vielen Creutz und Fahnen gehen,
Bey heilig Creutz, wie schon bekandt,
So all herkommen über Land,
Und in Proceßion hergehn,
Das wunderbarlich Gut zu sehn.
Jetzt thut man auch von Andex kommen,
Da wird der Bach in acht genommen,
Daß man nach Tisch geht auf den Bach
Zum braunen Bier. Es ist kein Sach,
Daß man sich thut heraus bemühen,
Sieht die Proceßion einziehen,
So thun sich jetzt die Kinder sehnen,
Daß sie bald die Schul-Herren krönen.

Junius

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Von Junio ist vorzubringen,
Daß man darinn hört Pfingsten singen,
So g'wiß was wilds in einer Stadt,
So sonst den Ruhm vor andern hat,
Doch einmahl muß maus übersehen,
Daß solche kahle Schwänck vorgehen.
Der Aberglaube ist so starck,
Daß man nach Friedberg auf den Marckt,
An dem Pfingst-Dienstag müsse lauffen
Geschirr uud Pretzen einzukauffen,
Dabey weit mehrers wird verzehrt
Als all die rahre Waar ist werth.
Rechen und Gablen dieser Zeit
Kauft man jetzt auch ein unterm Veit.
Ist der Fronleichnams-Tag erschienen,
Wer wollt zum feyren hier nicht dienen?
Dem Glauben ist man bald geneigt,
Der viel roth im Calender zeigt.
Man geht wallfahrten auf den Kobel,
Wo der Prospect ist gar zu nobel,
Da man bekommt ein gut Glas Wein,
Das mag wohl recht ergötzlich seyn.
Daß geht kein guter Brauch verlohr'n,
Spazieret man auch in das Korn,
Und sucht den längsten Halmen aus,
Den trägt zum Wunder man nach Hauß,
Diß ist ein Freud die kan paßiren,
Weil sie nicht macht viel Geld verlieren.

Julius

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Kommt dann der Julius herbey,
So ist auch Ulrichs-Kirreweyh,
Da wird das Weibs-Volck hefftig lauffen
Strümpf, Zeug und Spitzen einzukauffen,
Da kan auch mancher Mann nicht wissen,
Wie er von seinem Weib wird besch. . .
Die Freud nimmt man auch billich mit,
Daß man geht oder fährt in Schnitt,
Und siehet an den schönen Seegen.
Kehrt aber auch ein unter Weegen,
Und löscht den Durst durch frischen Trunck,
Der in der Hitz schmeckt süß wie Hunck,
Das Recht zu thun in allen Sachen,
Läßt man sich Erndte-Küchlen bachen,
Und daß kein Brauch dahinten bleib,
Kehrt man auch ein beym Milli-Weib.
In Pfersen, Bergen, und Inningen,
Lechhausen, Haußstädten, Göggingen.
Es geht, wers nicht weit wagen will
In Bachen-Anger in der Still
Und sonsteri nur zu Fuß muß wandern,
Geht halt von einem Thor zum andern,
Dann etwann auf den Lug ins Land
So dieser Zeit sehr wohl bekandt,
Wo unvergleichlich das Aussehen,
Und nur was harts das weit Heimgehen.
Die Rieden seynd um diese Zeit
So wohl der Jung'n als Alten Freud
Da läßt man sich ein Lieb geschehen,
Und manchen Batzen drüber gehen,
Damit ja werd was rechts verthan,
Hängt Freund und Nachbarschaft sich an,
Ja was man hat mit Müh errungen
Wird hier auf einen Sitz verschlungen.
Eh Julius geht gar vorbey
Ist auch Jacobi-Kirreweyh,
Da kaufft man in der Vorstadt ein
Obst, Endten, Hüner insgemein,
Und wer mit Geld versehen nit,
Nimmt wenigst doch Lavendel mit.

Augustus

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Erscheint der liebliche August,
Da zeigt sich manche Bürger-Lust
An dem Wahl-Tag und läßt sich hören
Feyrt man der Obrigkeit zu Ehren.
Da siehet man in vollem Staat
Den kleinen wie den grossen Rath,
Es wird der Tag durch alle Ständ
Zu der Ergötzung angewendt,
Daß wegen guter Tränck und Speisen
Der Wahl-Tag mög ein Wohl-Tag heissen.
Da sieht man auch des Jahrs einmahl
Das Rath-Haus und den Guldnen Saal,
Nicht weniger die finstre Eisen,
Und was darinnen ist zu weisen,
Den Perlach-Thurn, der gar sehr hoch,
Besteigt in grosser Zahl man doch.
Der Schwöhr-Tag wird von Jung und Alten
Mit Feyren gewiß recht hoch gehalten,
Da kan man, wie bekannt, auch sehen
D'Stadt-Quardi in Paradi stehen,
Im Pfründ-Hof ist auch wohl zu hören,
Wie Bürger ihren Obern schwöhren,
So thun die Bürger auf den Eyd,
Im braunen Bier einander b'scheid,
Die Rosenau erfährts am besten
Wann sie erfüllt mit vielen Gästen,
Die lieber als ein Malvasier
Sich letzen in dem braunen Bier.
Der Glücks-Hafen kommt auch darzu,
Da lauffen viele Leuthe zu;
Die wollen ihr Glück selbst probiren,
Und meynen viel zu profitiren.
Das Frieden-Fest wär nicht begangen
Wann nicht ein Hünlein nach Verlangen,
An diesem Tage wurd verzehrt,
Wie die öd Red offt wird gehört.
Auch pflegt man jetzt mit den Schmaltz-Bretzen
Des Jahrs einmahl sich zu ergötzen;
Zumahl am Kinder-Frieden-Fest
Da sucht man aus das allerbest,
Daß man den Kindern macht ein Freud.
So ist auch jetzt um diese Zeit
Sanct Lorentz-Tage zu begehen
Daran ein schöner Umgang z'sehen.
Und gleich darauf hat viel Besuch,
Weil man geht nach dem Würstlen-G'ruch,
Die Rosenau und der Schieß-Graben,
Darinn sich manche täglich laben.

September

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Fangt sich dann der September an,
Deß Jahrs einmahl man sehen kan,
Die Jahrs-Comödi dieser Zeit,
Die ist auch der Studenten Freud.
Auch thut man, wie ich hör und seh,
Des Jahrs einmahl dem Geld recht weh,
Da viel Händwercker kostbar Dänzlen,
Und ob die Jungfern ihre Kränzlen,
Allzeit heimbringen unverletzt,
Bleibt hie die Antwort ausgesetzt.
Des Jahrs wird, wie ich jetzund klage,
Bey mancher Gesellschafft wohl 8. Tage,
Die Föry heissens einig Leuth
Und andre nur schlechtweg die Freud.
Die man zum Feyren nicht darff zerren,
Die sehen auch den Lech naus sperren.
Geh'n auf den Ablaß mit Manier
Und trincken da Wein oder Bier.
Nach Friedberg muß man wieder wallen
Am Matthes-Tag dem Meeth zu g'fallen,
Auf daß Mutschellen man einkauff.
Und was sonst ist des Jahres-Lauff.
Es ahnt auch viele unbefohlen
Die Aderläß zu wiederhohlen,
Da man den Sommer zum Beschluß
Sich auf dem Land ergötzen muß.
G'wiß muß man auf den Perlach gehen
Den Thurn-Micheli da zu sehen;
So wird auch jetzt Jahr-Marckt gehalten,
Der wird besucht von Jung und Alten,
Auch zeigt sich jetzt nebst andrer Burst
Gemeiniglichs Waldmanns Hanß-Wurst.

October

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Nun geht es wieder an ein Schmausen,
Wo Leuthe nur ein wenig hausen,
Da muß man ein recht Licht-Gans-Mahl
Anstellen nur nach Wunsch und Zahl,
Daß die Gesellen seynd zufrieden,
So muß man backen, braten, sieden.
Was man verspahrt ein halbes Jahr,
Das geht offt drauf bey einem Haar.
Der G'spaß ist auch nicht zu verschmähen,
Daß man jetzt kan ins Lerchen gehen,
Mithin bey der Gelegenheit
Den Einlaß sehen unbeschreyt.
Weil auch der Zeit die Schnepffen fliegen
Muß mancher sich derselben biegen,
In ein Pasteten eingewürtzt
Und also wird die Zeit verkürtzt,
Bey einem solchen Schnepffen-Mahl
Mit guter Freunde werther Zahl.
Jetzt wird man auch einkauffen starck,
So auf dem Kraut- als Rüben-Marckt.
Nun b'sinn ich mich was es geh ferner,
So fällt mir ein der roth Figerner,
Den man jetzt trinckt vor G'schlier und Durst,
Dazu gut schmeckt ein tügne Wurst,
Damit man gute Freund tractirt,
Und lange Abend kurtz paßirt.

November

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Der Winter-Monat hat das Recht,
Daß man viel Seelen-Bretzen bächt,
Und damit als mit rahren Sachen
Pflegt andern ein Präsent zu machen.
Rückt dann Martini-Tag herbey
So höret man ein Gans-Geschrey,
Weil auf diß Fest es eingeführt,
Daß man die Martins-Gäns tractirt,
So allzeit mästen nur recht fett,
Die Jud- und Christen in die Wett.
Es gibt auch Leuthe die wie Zeggen
Sich jetzt einessen in den Schnecken,
Besonders wann der Schul-Wirth sie
Hat zubereit mit Fleiß und Müh,
Und weil man nicht vors Thor kan kommen,
Wird der Gebrauch in acht genommen,
Daß man bey Thätlin in der Stadt
Sich auch trinck oder esse satt.

Dezember

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Zur Winters-Zeit soll man schier meynen,
Könnt nichts Ergötzliches erscheinen.
Allein da ist schon ausgedacht
Der schöne Brauch der Knöpfflens-Nacht,
Da man an dreyen Donnerstägen
(Ich weiß nicht welcher Ursach wegen)
Einander b'sucht, und setzet dar
Obst, Krapffen und noch mehr Nasch-Waar.
Jetzt kommen erst die rechte Possen,
Das erste ist, daß untern Cloßen,
Man gehen muß, da man bey Licht
Die Waaren feyl hat, warum nicht
Bey Tag? Es ist leicht zu errathen
Weil man jetzt gerne geht Gaßaten,
Bestellt einander also fort
Zur Compagnie ans dritte Orth.
So ist es auch ein schändlich Spotten,
Daß des Christ-Kindleins zwey Vorbotten
Die Bercht und Ruprecht müssen seyn
Die sich der Zeit auch stellen ein,
Doch aber auch gar grosse Schrecken
Bey denen Kindern offt erwecken.
Darauf kommt in gemeßner Reyh
Auch des Christ-Kindleins Kirreweyh,
Da hat man auch bey Lichtern feyl,
Da geht man vor die lange Weil,
Zu sehen und sich seh'n zu lassen
So kalt es ist auf freyer Gassen.
Es kehren gleichfalls insgemein
Die Feyrtag durch die Dotlein ein,
Zu sehen ob von den Christ-Gaben
Sie sich nichts zu erfreuen haben?
Und an dem lieben Kindleins-Tag
Geht hefftig an der Jungfern Plag,
Dann um Lebzelten sie zu hauen
Viel junge Pursch sich lassen schauen.
Und die Comödi macht den B'schluß,
Darein das G'sind man lassen muß.
Jetzt werden sich auch hören lassen
Comödianten auf der Gassen,
Adam, Eva und Teuffel frey,
Die da verführen ein wild G'schrey.
Wann diese noch kaum ausgesungen
Und denen Gassen-Knecht entsprungen,
So stellen sich mit hellem Schein
Auch gleichfalls die drey König ein,
Und lassen sich mit ihrem Stern
Auch in dem alten Jahr noch hörn.
So schaffet auch der kalte Frost
Des Jahrs einmahl recht gute Kost,
Daß man mit Austern oder Brüggen
Sich wisse in die Zeit zu schicken.
Daß Salvo Calculo die Zahl
Von dem Augspurg'schen Jahr einmahl,
So nach den Monath einzuschräncken
jetzt wäre noch viel zu gedencken;
Wie manchesmahl sich noch befind,
Dazu besondere Pflicht verbind,
Als die Geburts und Nahmens-Täge,
Die Hochzeit-Fest und andre Weege,
Daran man sich verbunden acht
Daß sie wohl werden zugebracht.
Hieher könnt man mit Fug wohl ziehen
Die Jungfern Höf und Compagnien,
Die man sonst lange Täg genennt,
Und eine Lust, die wohl vergönnt.
Wann man jetzt über das wollt klagen,
Und von dem Jahr einmahl viel sagen:
So konnt man werden abgeführt
Mit Gegen-Fragen nach der Zierd.
Ob man nicht bald an allen Orthen
Des Jahrs einmahl verkehret worden?
Ein Tag einmahl, wie es steht da,
Wann man Toback-Collegia,
All täglichs Tag gantz richtig halte,
Und wann man kaum vom Bett erkalte,
Schon kostbar das Caffee und Thee
All Morgen in Bereitschafft steh,
Die Chocolade auch nicht minder
Beliebet jedem, werd als g'sünder.
Ja, daß es in das Geld recht lauff,
So bringt man gantze Kräntzlein auf,
Und da weiß man schon nach der Reih,
Wo alle Tag der Einkehr sey.
Diß sey ja übers Jahr einmahl
Ich schweig darauf wie Stein und Stahl,
Und werde keinen Streit anheben,
Die Antwort kan ein andrer geben.
Indeß mag aus dem Jahr einmahl
Ein jeder ziehen sein Moral.

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