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Confessio Augustana
Der Text
Leicht dem heutigen Sprachgebrauch angepasst durch Matthias Stöbener.
1. Teil
- 1. Artikel: Von Gott
- 2. Artikel: Von der Erbsünde
- 3. Artikel: Von dem Sohne Gottes
- 4. Artikel: Von der Rechtfertigung
- 5. Artikel: Vom Predigtamt
- 6. Artikel: Vom neuen Gehorsam
- 7. Artikel: Von der Kirche
- 8. Artikel: Was die Kirche ist
- 9. Artikel: Über die Taufe
- 10. Artikel: Vom heiligen Abendmahl
- 21. Artikel: Vom Kult der Heiligen
Schluss des 1. Teils
Dies ist fast die Summe der Lehre, die in unseren Kirchen zu rechtem christlichem Unterricht und Trost der Gewissen, auch zur Besserung der Gläubigen gepredigt und gelehrt wird; wie wir denn unsere eigene Seele und Gewissen je nicht gern vor Gott mit Missbrauch des göttlichen Namens oder Wortes in die höchste größte Gefahr bringen oder auf unsere Kinder und Nachkommen eine andere Lehre als die, die dem reinen göttlichen Wort und christlicher Wahrheit gemäß ist, fallen lassen oder vererben wollten. Dieselbe ist in der heiligen Schrift klar gegründet und dazu der allgemeinen christlichen, ja auch der römischen Kirche, so viel aus der Väter Schriften zu vermerken ist, nicht zuwider noch entgegen ist, so achten wir auch, unsere Widersacher können in den oben angezeigten Artikeln nicht uneinig mit uns sein.
Deshalb handeln diejenigen ganz unfreundlich, vorschnell und gegen alle christliche Einigkeit und Liebe, die die Unseren deshalb als Ketzer abzusondern, sie verwerfen und meiden, selbst ohne beständigen Grund göttlicher Gebote oder Schrift. Denn Irrung und Zank gibt es vornehmlich über etlichen Traditionen und Missbräuche. Weil nun an den Hauptartikeln kein befindlicher Ungrund oder Mangel, und dies unser Bekenntnis göttlich und christlich ist, sollten sich billig die Bischöfe, wenn schon bei uns der Tradition halben ein Mangel wäre, gelinder erzeigen, wiewohl wir hoffen, beständigen Grund und Ursache darzutun, warum bei uns etliche Traditionen und Missbräuche geändert sind.
Finis
Haec fere summa est doctrinae apud nos, in qua cerni potest nihil inesse, quod discrepet a scripturis, vel ab ecclesia catholica, vel ab ecclesia Romana, quatenus ex scriptoribus nobis nota est. Quod cum ita sit, inclementer iudicant isti, qui nostros pro haereticis haberi postulant. Tota dissensio est de quibusdam abusibus, qui sine certa auctoritate in ecclesias irrepserunt, in quibus etiam, si qua esset dissimilitudo, tamen decebat haec lenitas episcopos, ut propter confessionem, quam modo recensuimus, tolerarent nostros, quia ne canones quidem tam duri sunt, ut eosdem ritus ubique esse postulent, neque similes unquam omnium ecclesiarum ritus fuerunt. Quamquam apud nos magna ex parte veteres ritus diligenter servantur. Falsa enim calumnia est, quod omnes ceremoniae, omnia vetera instituta in ecclesiis nostris aboleantur. Verum publica querela fuit abusus quosdam in vulgaribus ritibus haerere. Hi quia non potereant bona conscientia probari, aliqua ex parte correcti sunt.
2. Teil
Artikel, bei denen Uneinigkeit herrscht und Missbräuche, die geändert worden sind
Weil von den Artikeln des Glaubens in unseren Kirchen nicht gelehrt wird gegen die heilige Schrift oder allgemeine christliche Kirchen, sondern allein etliche Missbräuche geändert sind, die zum Teil mit der Zeit selbst eingerissen, zum Teil mit Gewalt aufgerichtet worden sind, erfordert es unsere Not, diese zu benennen und die Ursache anzuzeigen, warum hierin Änderungen geduldet sind, damit die Kaiserliche Majestät erkennen mögen, dass wir hierin nicht unchristlich oder freventlich gehandelt haben, sondern dass wir durch Gottes Gebot, welches billig höher zu achten als alle Gewohnheit, gedrungen sind, um solche Änderung zu gestatten.
Pars II: Articuli, In Quibus Recensentur Abusus Mutati.
Cum ecclesiae apud nos de nullo articulo fidei dissentiant ab ecclesia catholica, tantum paucos quosdam abusus omittant, qui novi sunt et contra voluntatem canonum vitio temporum recepti, rogamus, ut Caesarea Maiestas clementer audiat, et quid sit mutatum et quae fuerint causae, quominus coactus sit populus illos abusus contra conscientiam observare. Nec habeat fidem Caesarea Maiestas istis, qui ut inflamment odia hominum adversus nostros, miras calumnias spargunt in populum. Hoc modo irritatis animis bonorum virorum initio praebuerunt occasionem huic dissidio, et eadem arte nunc conantur augere discordias. Nam Caesarea Maiestas haud dubie comperiet tolerabiliorem esse formam et doctrinae et ceremoniarum apud nos, quam qualem homines iniqui et malevoli decribunt. Neque veritas ex vulgi rumoribus aut maledictis inimicorum colligi non potest. Facile autem hoc iudicari potest, nihil magis prodesse ad dignitatem caerimoniarum conservandam et alendam reverentiam ac pietatem in populo, quam si caerimoniae rite fiant in ecclesiis.
- 22. Artikel: Von beider Gestalt des Sakraments
- 23. Artikel: Vom Ehestand der Priester
- 24. Artikel: Von der Messe
- 25. Artikel: Von der Beichte
- 26. Artikel: Vom Unterschied der Speise
- 27. Artikel: Von den Mönchsgelübden
- 28. Artikel: Von der Gewalt der Bischöfe
Beschluss
Dies sind die wichtigsten Artikel, die für streitig erachtet werden. Obwohl man viel mehr Missbräuche und Unrichtiges hätte anführen können, haben wir doch, um die Weitläufigkeit und Länge zu vermeiden, allein die wichtigsten aufgeführt, woraus die anderen leicht zu ermessen sind. Denn man hat früher sehr geklagt über den Ablass, über Wallfahrten, über Missbrauch des Banns. Es hatten die Pfarrer auch unendliche Zänkereien mit den Mönchen wegen des Beichthörens, des Begräbnisses, der Beipredigten und unzähliger anderer Punkte mehr. Das alles haben wir übergangen, damit man die wichtigsten Punkte in dieser Sache desto leichter vermerken kann.
Es geht auch nicht um Hass oder Verunglimpfung, sondern wir haben allein die Punkte aufgezählt, die wir für nötig geachtet haben anzuführen und zu vermelden, damit man daraus desto leichter entnehmen kann, dass bei uns nichts, weder mit Lehre noch mit Zeremonien, angenommen ist, das entweder der heiligen Schrift oder der allgemeinen christlichen Kirche entgegen wäre. Denn es ist offensichtlich, dass wir mit allem Fleiß, mit Gottes Hilfe (ohne uns zu rühmen) verhütet haben, dass keine neue und gottlose Lehre sich in unseren Kirchen einflöchte, einreihe und überhand nähme. Die oben angeführten Artikel haben wir dem Ausschreiben nach übergeben wollen, um unser Bekenntnisses und die Lehre der Unseren darzulegen. Und wenn einer meint, daran mangele es, dem geben wir weiteren Bericht aufgrund göttlicher heiliger Schrift.
Eurer Kaiserlichen Majestät untertänigste und gehorsame
Johannes, Herzog zu Sachsen, Kurfürst
Georg, Markgraf zu Brandenburg
Ernst, Herzog zu Lüneburg
Philipp, Landgraf zu Hessen
Hanns Friedrich, Herzog zu Sachsen
Franz, Herzog zu Lüneburg
Wolf, Fürst zu Anhalt
Bürgermeister und Räte zu Nürnberg
Bürgermeister und Räte zu Reutlingen
Epilogus
Recensuimus praecipuos articulos, qui videntur habere controversiam. Quamquam enim de pluribus abusibus dici poterat, tamen fugiendae prolixitatis causa praecipua complexi sumus. Magnae querelae fuerunt de indulgentiis, de peregrinationibus, de abusu excommunicationis; parochiae multipliciter vexabantur per stationarios; infinitae contentiones fuerunt pastoribus cum monachis de iure parochiali, de confessionibus, de sepulturis et aliis innumerabilibus rebus. Huiusmodi negotia praetermisimus, ut illa, quae sunt in hac causa praecipua, breviter proposita facilius cognosci possent.
Neque hic quidquam ad ullius contumeliam dictum aut collectum est.Tantum ea recitata sunt, quae videbantur necessario dicenda esse, ut intelligi posset, in doctrina ac caeremoniis apud nos nihil esse receptum contra scripturam aut ecclesiam catholicam, quia manifestum est, nos diligentissime cavisse, ne quae nova et impia dogmata in ecclesias nostras serperent. Hos articulos suprascriptos voluimus exhibere iuxta edictum Caesareae Maiestatis, in quibus confessio nostra exstaret et eorum, qui apud nos docent, doctrinae summa cerneretur. Si quid in hac confessione desiderabitur, parati sumus latiorem informationem, Deo volente, iuxta scripturas exhibere.
Caesareae maiestatis vestrae fideles et subditi:
Iohannes, Dux Saxoniae, Elector.
Georgius, Marchio Brandenburgensis.
Ernestus, Dux Lunenburgensis.
Philips, L. z. Hessen sst.
Ioannes Fridericus, Dux Saxoniae.
Franciscus, Dux Lunenburgensis.
Volfgangus, Princeps de Anhalt.
Senatus Magistratusque Nurnbergensis.
Senatus Reutlingensis.
11. Artikel: Über die Beichte
Über die Beichte wird gelehrt, dass man in der Kirche die private Absolution erhalten und nicht fallen lassen soll, wiewohl es in der Beichte nicht nötig ist, jede Missetat und alle Sünden zu erzählen, weil doch solches nicht möglich ist. Psalm 19,13: Wer kennt die Missetat?
De Confessione
De confessione docent, quod absolutio privata in ecclesiis retinenda sit, quamquam in confessione non sit necessaria omnium delictorum enumeratio. Est enim impossibilis iuxa Psalmum 19, 13: Delicta quis intelligit?
12. Artikel: Von der Buße
Über die Buße wird gelehrt, dass diejenigen, die nach der Taufe gesündigt haben, zu aller Zeit, wenn sie zur Buße kommen, Vergebung der Sünden erlangen mögen, und ihnen die Absolution von der Kirche nicht geweigert werden soll. Und wahre rechte Buße ist eigentlich Reue und Leid oder Schrecken haben über die Sünde, und doch daneben glauben an das Evangelium und die Absolution, dass die Sünde vergeben und durch Christus Gnade erworben ist, welcher Glaube wiederum das Herz tröstet und zufrieden macht.
Danach soll auch Besserung folgen, und dass man von Sünden lasse; denn dies sollen die Früchte der Buße sein (wie Johannes spricht Matth. 3: „Wirket rechtschaffene Frucht der Buße.“). Hier werden verworfen die, die lehren, dass diejenigen, die einst fromm geworden sind, nicht wieder fallen können.
Auch werden die Novatianer verdammt, welche die Absolution denen, die nach der Taufe gesündigt hatten, verweigerten. Auch werden die verworfen, die nicht lehren, dass man durch Glauben Vergebung der Sünde erlange, sondern durch unser Genugtun.
De Poenitentia
De poenitentia docent, quod lapsis post baptismum contingere possit remissio peccatorum quocunque tempore, quum convertuntur, et quod ecclesia talibus redeuntibus ad poenitentiam absolutionem impertiri debeat. Constat autem poenitentia proprie his duabus partibus. Altera est contritio seu terrores incussi conscientiae agnito peccato; altera est fides, quae concipitur ex evangelio seu absolutione, et credit propter Christum remitti peccata, et consolatur conscientiam et ex terroribus liberat.
Deinde sequi debent bona opera, quae sunt fructus poenitentiae. Damnant Anabaptistas, qui negant semel iustificatos posse amittere Spiritum Sanctum; item, qui contendunt, quibusdam tantam perfectionem in hac vita contingere, ut peccare non possint.
Damnantur et Novatiani, qui nolebant absolvere lapsos, post baptismum redeuntes ad poenitentiam. Reiiciuntur et isti, qui non docent remissionem peccatorum per fidem contingere, set iubent nos mereri gratiam per satisfactiones nostras.
13. Artikel: Über den Gebrauch der Sakramente
Über den Gebrauch der Sakramente wird gelehrt, dass die Sakramente eingesetzt sind nicht allein darum, dass sie Zeichen sind, an denen man äußerlich die Christen erkennen kann, sondern dass es Zeichen und Zeugnisse sind des göttlichen Willens gegen uns, unsern Glauben dadurch zu erwecken und zu stärken. Deshalb fordern sie auch Glauben und werden dann recht gebraucht, wenn man sie im Glauben empfängt und den Glauben dadurch stärkt.
De Usu Sacramentorum
De usu sacramentorum docent, quod sacramenta instituta sint, non modo ut sint notae professionis inter homines, sed magis ut sint signa et testimonia voluntatis Dei erga nos, ad excitandam et confirmandam fidem in his, qui utuntur, proposita. Itaque utendum est sacramentis ita, ut fides accedat, quae credat promissionibus, quae per sacramenta exhibentur et ostenduntur. Damnant igitur illos, qui docent, quod sacramenta ex opere operato iustificent, nec docent fidem requiri in usu sacramentorum, quae credat remitti peccata.
14. Artikel: Über das Kirchenregiment
Über das Kirchenregiment wird gelehrt, dass niemand in der Kirche öffentlich lehren, predigen oder die Sakramente reichen soll ohne eine ordentliche Berufung.
De Ordine Ecclesiastico
De ordine ecclesiastico docent, quod nemo debeat in ecclesia publice docere aut sacramenta administrare, nisi rite vocatus.
15. Artikel: Von Kirchenordnungen
Von den Kirchenordnungen, die von Menschen gemacht, lehrt man diejenigen zu halten, die ohne Sünde gehalten werden können und dem Frieden und guter Ordnung in den Kirchen dienen, wie z. B. gewisse Feiern, Feste und dergleichen.
Doch geschieht Unterricht dabei, dass man die Gewissen nicht damit beschweren soll, so als seien solche Dinge nötig zur Seligkeit.
Darüber wird gelehrt, dass alle Satzungen und Traditionen, die von Menschen dazu gemacht sind, dass man dadurch Gott versöhne und Gnade verdiene, dem Evangelium und der Lehre vom Glauben an Christus entgegen stehen; deshalb sind Klostergelübde und andere Traditionen von Unterscheidung der Speise, Tage usw., wodurch man meint, Gnade zu verdienen und für Sünde genug zu tun, sinnlos und gegen das Evangelium.
De Ritibus Ecclesiasticis
De ritibus ecclesiasticis docent, quod ritus illi servandi sint, qui sine peccato servari possunt et prosunt ad tanquillitatem et bonum ordinem in ecclesia, sicut certae feriae, festa et similia.
De talibus rebus tamen admonentur homines, ne conscientiae onerentur, tamquam talis cultus ad salutem necessarius sit.
Admonentur etiam, quod traditiones humanae institutae ad placandum Deum, ad promerendam gratiam et satisfaciendum pro peccatis adversentur evangelio et doctrinae fidei; quare vota et traditiones de cibis et diebus etc. institutae ad promerendam gratiam et satisfaciendum pro peccatis inutiles sint et contra evangelium.
16. Artikel: Von der Polizei und weltlichem Regiment
Zum Thema Polizei und weltlichem Regiment wird gelehrt, dass alle Obrigkeit in der Welt und geordnetes Regiment und Gesetze gute Ordnung, von Gott geschaffen und eingesetzt sind, und dass Christen ohne Sünde im Obrigkeits-, Fürsten- und Richteramt sein mögen, nach kaiserlichen und anderen üblichen Rechten Urteil und Recht zu sprechen, Übeltäter mit dem Schwert zu bestrafen, rechtmäßige Kriege zu führen, zu streiten, zu kaufen und zu verkaufen, aufgelegte Eide zu leisten, Eigentum zu haben, ehrlich zu sein etc.
Hier werden diejenigen verdammt, die lehren, dass es christliche Vollkommenheit sei, Haus und Hof, Weib und Kind leiblich verlassen und sich der vorgenannten Dinge zu entäußern, obwohl doch dies allein die rechte Vollkommenheit ist: rechte Furcht Gottes und rechter Glaube an Gott. Denn das Evangelium lehrt nicht ein äußerliches, zeitliches, sondern ein innerliches, ewiges Wesen und Gerechtigkeit des Herzens und stößt weltliches Regiment, Polizei und Ehestand nicht um, sondern will, dass man solches alles halte als wahrhaftige Ordnung und in solchen Ständen christliche Liebe und rechte gute Werke beweise, ein jeder nach seinem Beruf.
Deshalb sind die Christen verpflichtet, der Obrigkeit untertan und ihren Geboten gehorsam zu sein in allem, was ohne Sünde geschehen mag. Denn wenn der Obrigkeit Gebot nicht ohne Sünde geschehen mag, soll man Gott mehr gehorsam sein, als den Menschen. Apg. 5.
De Rebus Civilibus
De rebus civilibus docent, quod legitimae ordinationes civiles sint bona opera Dei, quod Christianis liceat gerere magistratus, exercere iudicia, iudicare res ex imperatoriis et aliis praesentibus legibus, supplicia iure constituere, iure bellare, militare, lege contrahere, tenere proprium, iurare postulantibus magistratibus, ducere uxorem, nubere.
Damnant Anabaptistas, qui interdicunt haec civilia officia christianis. Damnant etiam illos, qui evangelicam perfectionem non collocant in timore Dei et fide, sed in deserendis civilibus officiis, quia evangelium tradit iustitiam aeternam cordis. Interim non dissipat politiam aut oeconomiam, sed maxime postulat conservare tamquam ordinationes Dei et in talibus ordinationibus exercere caritatem.
Itaque necessario debent Christiani oboedire magistratibus suis et legibus; nisi cum iubent peccare, tunc enim magis debent obedire Deo quam hominibus. Actuum 5.
17. Artikel: Von der Wiederkunft Christi zum Gericht
Auch wird gelehrt, dass unser Herr Jesus Christus am jüngsten Tage kommen wird, um zu richten und alle Toten aufzuerwecken, den Gläubigen und Auserwählten ewiges Leben und ewige Freude zu geben, die gottlosen Menschen aber und die Teufel in die Hölle und zu ewiger Strafe zu verdammen.
Deshalb werden die Wiedertäufer verworfen, die lehren, dass die Teufel und verdammten Menschen nicht ewige Pein noch Qual haben werden.
Ebenso werden hier auch etliche jüdische Lehren verworfen, die sich jetzt verbreiten, dass vor der Auferstehung der Toten eitel Heilige, Fromme ein weltlich Reich haben und alle Gottlosen vertilgen werden.
De Christi Reditu ad Iudicium
Item docent, quod Christus apparebit in consummatione mundi ad iudicandum, et mortuos omnes resuscitabit, piis et electis dabit vitam aeternam et perpetua gaudia, impios autem homines ac diabolos condemnabit, ut sine fine crucientur.
Damnant Anabaptistas, qui sentiunt hominibus damnatis ac diabolis finem poenarum futurum esse.
Damnant et alios, qui nunc spargunt Iudaicas opiniones, quod ante resurrectionem mortuorum pii regnum mundi occupaturi sint, ubique orppressis impiis.
18. Artikel: Vom freien Willen
Über den freien Willen wird gelehrt, dass der Mensch in gewissem Maße einen freien Willen habe, äußerlich ehrbar zu leben und zu wählen unter den Dingen, die die Vernunft begreift. Aber ohne Gnade, Hilfe und Wirkung des Heiligen Geistes kann der Mensch Gott nicht gefallen, Gott nicht von Herzen fürchten oder an ihn glauben oder nicht die angeborenen, bösen Lüste aus dem Herzen werfen, sondern dies geschieht durch den Heiligen Geist, der durch Gottes Wort gegeben wird. Denn Paulus spricht in 1. Kor 2: „Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes.“ Und damit man erkennen möge, dass hierin keine Neuigkeit gelehrt wird, so sind das die klaren Worte Augustins vom freien Willen, hier beigefügt aus dem dritten Buch Hypognosticon: „Wir bekennen, dass in allen Menschen ein freier Wille ist, denn sie haben alle natürlich angeborene Vernunft, nicht dass sie etwas vermögen mit Gott zu handeln, wie Gott von Herzen zu lieben, zu fürchten, sondern allein in äußerlichen Werken dieses Lebens haben sie Freiheit, Gutes oder Böses zu wählen. Gut meine ich, was die Natur vermag, wie auf dem Acker zu arbeiten oder nicht, zu essen, zu trinken, zu einem Freund zu gehen oder nicht, ein Kleid an- oder auszuziehen, zu bauen, ein Weib zu nehmen, ein Handwerk zu treiben und dergleichen etwas Nützliches und Gutes zu tun. Das alles ist ohne Gott nicht, noch besteht es, sondern alles ist aus ihm und durch ihn. Dagegen kann der Mensch auch Böses nach eigener Wahl vornehmen, wie vor einem Abgott niederknieen, einen Totschlag begehen etc.“
De Libero Arbitrio
De libero arbitrio docent, quod humana voluntas habeat aliquam libertatem ad efficiendam civilem iustitiam et deligendas res rationi subiectas. Sed non habet vim sine spiritu sancto efficiendae iustitiae Dei seu iustitiae spiritualis, quia animalis homo non percipit ea, quae sunt spiritus Dei; sed haec fit in cordibus, cum per verbum spiritus sanctus concipitur. Haec totidem verbis dicit Augustinus lib. III. Hypognosticon: Esse fatemur liberum arbitrium omnibus hominibus, habens quidem iudicium rationis, non per quod sit idoneum in his, quae ad Deum pertinent, sine Deo aut inchoare aut certe peragere, sed tantum in operibus vitae praesentis, tam bonis quam etiam malis. Bonis dico, quae de bono naturae oriuntur, id est, velle laborare in agro, velle manducare et bibere, velle habere amicum, velle habere indumenta, velle fabricare domum, uxorem velle ducere, pecora nutrire, artem discere diversarum rerum bonarum, velle quidquid bonum ad praesentem pertinet vitam. Quae omnia non sine gubernaculo divino subsistunt, immo ex ipso et per ipsum sunt et esse coeperunt. Malis vero dico, ut est velle idolum colere, velle homicidium etc.
19. Artikel: Über die Ursache der Sünde
Von der Ursache der Sünde wird bei uns gelehrt: Obwohl Gott, der Allmächtige, die ganze Natur geschaffen hat und erhält, bewirkt doch der verkehrte Wille in allen Bösen und Verächtern Gottes die Sünde, wie es denn der Wille des Teufels und aller Gottlosen ist, der sich, sobald Gott seine Hand abzog, von Gott weg dem Argen zugewandt hat, wie Christus sagt bei Joh 8: „Der Teufel redet Lügen aus seinem Eigenen.“
De Causa Peccati
De causa peccati docent, quod, tametsi Deus creat et conservat naturam, tamen causa peccati est voluntas malorum, videlicet diaboli et impiorum, quae, non adiuvante Deo, avertit se a Deo, sicut Christus ait Ioh. 8,44: Quum loquitur mendacium, ex se ipso loquitur.
20. Artikel: Über die guten Werke
Die Unseren werden lügnerisch angeklagt, sie würden gute Werke verbieten. Denn ihre Schriften über die Zehn Gebote und andere beweisen, dass sie von rechten christlichen Ständen und Werken einen guten nützlichen Bericht und Ermahnung hinterlassen haben, wovon man vor dieser Zeit wenig gelehrt hat, sondern meistens in allen Predigten zu kindischen, unnötigen Werken, wie Rosenkränze, Heiligendienst, Mönchwerden, Wallfahrten, Fasten, Feiertage, Bruderschaften etc. angetrieben hat. Solche unnötigen Werke rühmen auch unsere Gegner jetzt nicht mehr so sehr wie früher. Dazu haben sie auch gelernt, nun vom Glauben zu reden, von dem sie doch vorzeiten gar nichts gepredigt haben. Sie lehren denn nun, dass wir nicht allein aus Werken gerecht werden vor Gott, sondern setzen den Glauben an Christus hinzu und sprechen, dass Glaube und Werke uns vor Gott gerecht machen. Diese Lehre mag etwas mehr Trost bringen, als wenn man allein lehrt, auf Werke zu vertrauen.
Weil nun die Lehre vom Glauben, die das Hauptstück im christlichen Wesen ist, lange Zeit - wie man bekennen muss - nicht behandelt worden ist, sondern überall allein die Lehre von den Werken gepredigt wurde, ist von den Unseren folgende Unterrichtung gegeben worden:
Zunächst, dass unsere Werke uns nicht mit Gott versöhnen und uns nicht Gnade erwerben können, sondern das geschieht allein durch den Glauben - wenn man nämlich glaubt, dass uns um Christi willen die Sünden vergeben werden, der allein der Mittler ist, um den Vater zu versöhnen. Wer nun meint, das durch Werke zu erreichen und dadurch Gnade zu verdienen, der verachtet Christus und sucht einen eigenen Weg zu Gott - gegen das Evangelium, wie Christus über sich selbst bei Joh 14, 6 sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“
Diese Lehre vom Glauben wird deutlich und klar bei Paulus vielerorts vertreten, besonders hier: „Aus Gnade seid ihr selig geworden durch den Glauben, und das nicht aus euch, sondern Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich niemand rühme" (Eph 2,8) usw.
Dass hierdurch von uns kein neues Verständnis des Glaubens eingeführt worden ist, kann man aus Augustinus beweisen, der diese Sache ausführlich behandelt und ebenfalls lehrt, dass wir durch den Glauben an Christus Gnade erlangen und vor Gott gerecht werden und nicht durch Werke, wie sein ganzes Buch „Über den Geist und den Buchstaben“ beweist.
Obwohl nun diese Lehre von unkundigen Leuten sehr verachtet wird, so zeigt sich doch, dass sie für schwache und erschrockene Gewissen sehr tröstlich und heilsam ist. Denn das Gewissen kann nicht zu Ruhe und Frieden kommen durch Werke, sondern allein durch den Glauben, wenn es bei sich mit Gewissheit schließt, dass es um Christi willen einen gnädigen Gott hat, wie auch Paulus in Röm 5 spricht: „So wir durch den Glauben gerecht geworden sind, haben wir Ruhe und Frieden vor Gott.“
Diesen Trost hat man vorzeiten nicht behandelt in Predigten, sondern die armen Gewissen auf eigene Werke getrieben, und es sind mancherlei Werke hervorgekommen. Denn etliche hat das Gewissen in die Klöster getrieben in der Hoffnung, daselbst Gnade zu erwerben durch das Klosterleben. Etliche haben andere Werke erdacht, um damit Gnade zu verdienen und für Sünde genugzutun. Von diesen haben viele erfahren, dass man dadurch nicht zum Frieden gekommen ist. Darum war es notwendig, diese Lehre vom Glauben an Christus zu predigen und fleißig zu treiben, dass man wisse, dass man allein durch Glauben, ohne Verdienst, Gottes Gnade ergreift.
Es gibt auch Unterricht, dass man hier nicht von solchem Glauben rede, den auch die Teufel und Gottlosen haben, die auch die Historien glauben, dass Christus gelitten habe und auferstanden sei von den Toten, sondern man redet von wahrem Glauben, der da glaubt, dass wir durch Christus Gnade und Vergebung der Sünde erlangen.
Wer nun weiß, dass er einen gnädigen Gott durch Christus hat, kennt also Gott, ruft ihn an und ist nicht ohne Gott wie die Heiden. Denn Teufel und Gottlose glauben diesen Artikel, Vergebung der Sünde, nicht; darum sind sie Gott feind, können ihn nicht anrufen und nichts Gutes von ihm hoffen. Und also, wie jetzt angezeigt ist, redet die Schrift vom Glauben, und Glauben heißt nicht ein solches Wissen, das Teufel und gottlose Menschen haben. Denn also wird vom Glauben gelehrt in Hebr. 11, dass Glauben sei nicht allein die Historien zu wissen, sondern Zuversicht zu haben zu Gott, dass er uns gnädig sei, und heiße nicht allein solche Historien wissen, wie auch die Teufel wissen.
Ferner lehren die Unseren, dass gute Werke geschehen sollen und müssen, aber nicht, dass man darauf vertraue, durch sie Gnade zu verdienen, sondern um Gottes willen und zu Gottes Lob. Der Glaube ergreift immer nur die Gnade und die Vergebung der Sünden; und weil durch den Glauben der Heilige Geist gegeben wird, darum wird auch das Herz erneuert, gute Werke zu tun. Denn zuvor ist es zu schwach, weil es ohne den Heiligen Geist ist; dazu befindet es sich in der Gewalt des Teufels, der die arme menschliche Natur zu vielen Sünden antreibt, wie wir es an den Philosophen sehen, die versucht haben, ehrlich und unsträflich zu leben; sie haben es aber dennoch nicht erreicht, sondern sind in viele große, offenkundige Sünden gefallen. So geht es mit dem Menschen, der ohne den rechten Glauben und ohne den Heiligen Geist lebt und sich allein aus eigener menschlicher Kraft regiert.
Deshalb ist diese Lehre vom Glauben nicht zu schelten, dass sie gute Werke verbiete, sondern vielmehr zu rühmen, dass sie lehre, gute Werke zu tun, und Hilfe anbiete, wie man zu guten Werken kommen möge. Denn außer dem Glauben und außerhalb von Christus sind menschliche Natur und Vermögen viel zu schwach, gute Werke zu tun, Gott anzurufen, Geduld zu haben im Leiden, den Nächsten zu lieben, befohlene Ämter fleißig auszurichten, gehorsam zu sein, böse Lust zu meiden usw. Solche hohen und rechten Werke können nicht geschehen ohne die Hilfe Christi, wie er selbst sagt bei Joh 15: "Ohne mich könnt ihr nichts tun."
De Bonis Operibus
Falso accusantur nostri, quod bona opera prohibeant. Nam scripta eorum, quae exstant de decem praeceptis, et alia simili argumento testantur, quod utiliter docuerint de omnibus vitae generibus et officiis, quae genera vitae, quae opera in qualibet vocatione Deo placeant. De quibus rebus olim parum docebant concionatores, tantum puerilia et non necessaria opera urgebant, ut certas ferias, certa ieiunia, fraternitates, peregrinationes, cultus sanctorum, rosaria, monachatum et similia. Haec adversarii nostri admoniti nunc dediscunt, nec perinde praedicant haec inutilia opera ut olim. Incipiunt etiam fidei mentionem facere, de qua olim mirum erat silentium. Docent nos non tantum operibus iustificari, sed coniungunt fidem et opera et dicunt nos fide et operibus iustificari. Quae doctrina tolerabilior est priore, et plus afferre consolationis potest quam vetus ipsorum doctrina.
Cum igitur doctrina de fide, quam oportet in ecclesia praecipuam esse, tamdiu iacuerit ignota, quemadmodum fateri omnes necesse est, de fidei iustitia altissimum silentium fuisse in concionibus, tantum doctrinam operum versatam esse in ecclesiis, nostri de fide sic admonuerunt ecclesias:
Principio, quod opera nostra non possint reconciliare Deum, aut mereri remissionem peccatorum et gratiam et iustificationem, sed hanc tantum fide consequimur, credentes, quod propter Christum recipiamur in gratiam, qui solus positus est mediator et propitiatorium, per quem reconcilietur Pater. Itaque qui confidit operibus se mereri gratiam, is aspernatur Christi meritum et gratiam, et quaerit sine Christo humanis viribus viam ad Deum, quum Christus de se dixerit Ioh. 14, 6: Ego sum via, veritas et vita.
Haec doctrina de fide ubique in Paulo tractatur; Eph. 2, 8: Gratia salvi facti estis per fidem, et hoc non ex vobis, Dei donum est, non ex operibus etc.
Et ne quis cavilletur a nobis novam Pauli interpretationem excogitari, tota haec causa habet testimonia patrum. Nam Augustinus multis voluminibus defendid gratiam et iustitiam fidei contra merita operum. Et similia docet Ambrosius De vocatione gentium et alibi. Sic enim inquit De Vocatione Gentium: Vilesceret redemptio sanguinis Christi, nec misericordiae Dei humanorum operum praerogativa succumberet, si iustificatio, quae fit per gratiam, meritis praecedentibus deberetur, ut non munus largientis, sed merces esset operantis.
Quamquam autem haec doctrina contemnitur ab imperitis, tamen experiuntur piae ac pavidae conscientiae plurimum eam consolationis affere, quia conscientiae non possunt reddi tranquillae per ulla opera, sed tantum fide, cum certo statuunt, quod propter Christum habeant placatum Deum, quemadmodum Paulus docet Rom. 5: Iustificati per fidem, pacem habemus apud Deum.
Tota haec doctrina ad illud certamen perterrefactae conscientiae referenda est, nec sine illo certamine intelligi potest. Quare male iudicant de ea re homines imperiti et profani, qui christianam iustitiam nihil esse somniant nisi civilem et philosophicam iustitiam. Olim vexabantur conscientiae doctrina operum, non audiebant ex evangelio consolationem. Quosdam conscientia expulit in desertum, in monasteria, sperantes ibi se gratiam merituros esse per vitam monasticam. Alii alia excogitaverunt opera ad promerendam gratiam et satisfaciendum pro peccatis. Ideo magnopere fuit opus hanc doctrinam de fide in Christum tradere et renovare, ne deesset consolatio pavidis conscientiis, sed scirent, fide in Christum apprehendi gratiam et remissionem peccatorum et iustificationem.
Admonentur etiam homines, quod hic nomen fidei non significet tantum historiae notitiam, qualis est in impiis et diabolo, sed significet fidem, quae credit non tantum historiam, sed etiam effectum historiae, videlicet hunc articulum, remissionem peccatorum, quod videlicet per Christum habeamus gratiam, iustitiam et remissionem peccatorum.
Iam qui scit se per Christum habere propitium Patrem, is vere novit Deum, scit se ei curae esse, invocat eum, denique non est sine Deo, sicut gentes. Nam diaboli et impii non possunt hunc articulum credere, remissionem peccatorum. Ideo Deum tamquam hostem oderunt, non invocant eum, nihil boni ab eo exspectant. Augustinus etiam de fidei nomine hoc modo admonet lectorem et docet in scripturis nomen fidei accipi non pro notitia, qualis est in impiis, sed pro fiducia, quae consolatur et erigit perterrefactas mentes.
Praeterea docent nostri, quod necesse sit bona opera facere, non ut confidamus per ea gratiam mereri, sed propter voluntatem Dei. Tantum fide apprehenditur remissio peccatorum et gratia. Et quia per fidem accipitur spiritus sanctus, iam corda renovantur et induunt novos affectus, ut parere bona opera possint. Sic enim ait Ambrosius: Fides bonae voluntatis et iustae actionis genitrix est. Nam humanae vires sine spiritu sancto plenae sunt impiis affectibus et sunt imbecilliores, quam ut bona opera possint efficere coram Deo. Adhaec sunt in potestate diaboli, qui impellit homines ad varia peccata, ad impias opiniones, ad manifesta scelera; quemadmodum est videre in philosophis, qui et ipsi conati honeste vivere, tamen id non potuerunt efficere, sed contaminati sunt multis manifestis sceleribus. Talis est imbecillitas hominis, cum est sine fide et sine spiritu sancto et tantum humanis viribus se gubernat.
Hinc facile apparet, hanc doctrinam non esse accusandam, quod bona opera prohibeat, sed multo magis laudandam, quod ostendit, quomodo bona opera facere possimus. Nam sine fide nullo modo potest humana natura primi aut secundi praecepti opera facere. Sine fide non invocat Deum, nihil a Deo exspectat, non tolerat crucem, sed quaerit humana praesidia, confidit humanis praesidiis. Ita regnant in corde omnes cupiditates et humana consilia, cum abest fides et fiducia erga Deum. Quare et Christus dixit: Sine me nihil potestis facere, Ioh. 15. Et ecclesia canit: Sine tuo numine nihil est in homine, nihil est innoxium.
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