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Brechts literarische Entwicklung

Frühzeit

Will man sich über Brechts anfänglichen Schreibübungen informieren, muss man das "Tagebuch No. 10" und "Die Ernte" lesen. Das "Tagebuch No. 10" dokumentiert das Jahr 1913 in seiner zweiten Hälfte, "Die Ernte" ist eine von ihm gegründete und betreute Schülerzeitung am Peutinger Gymnasium?, so der heutige Name der Schule. "Die Ernte" hatte insgesamt sechs Hefte und erschien zwischen August 1913 und Februar 1914. Beide Quellen sind Beweis für das Ziel des damals 15jährigen, einmal ein berühmter Dichter zu werden.

Das "Tagebuch No. 10" stilisiert Bert Brecht zum literarisch begabten sehr sensiblen melancholischen und von Krankheiten bedrohten Jüngling, der von Einsamkeit umgeben ist.

In dieser Zeit las Bert Brecht viel Weltliteratur und versuchte das Gelesene im Ton oder dem Genre nachzuahmen. Es ging ihm dabei weniger um die Inhalte als um die ästhetische Wirkung seiner Texte. Klar, das er wie jeder Dichter veröffentlichen wollte, was ihm aber damals trotz einiger Versuche noch nicht gelang. Die Absagen von Zeitungen waren für ihn der Anlass "Die Ernte" zu gründen, die ihm zur Veröffentlichung erster literarischer Versuche diente. Die meisten Texte darin stammten von ihm, wurden aber oft unter den Namen von Mitschülern veröffentlicht, die sich dazu bereit erklärten.

Nachdem "Die Ernte" eingestellt war, erschienen nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs vierzig Beiträge von ihm in nationalliberalen Augsburger Zeitungen. Sie sind nationalistisch geprägt, doch auch mit Brüchen und Unstimmigkeiten, so dass die Forschung davon ausgeht, dass der Kriegsausbruch von Bert Brecht genutzt wurde, veröffentlicht zu werden. Wahrscheinlich nutzte er den Krieg, um sich als freier Zeitungsmitarbeiter zu etablieren und erst einmal Gebrauchstexte zu schreiben. Erst der siebte Zeitungsbeitrag dieser Zeit ("Dankgottesdienst") weist eine literarische Tendenz auf. Alle seine damaligen Zeitungsbeiträge zeigen, dass er sich von den Zeitungsmachern für deren politische Ziele einspannen ließ - meist propagandistische. So bot der Krieg Brecht die Möglichkeit, seiner Isolation zu entkommen und am politischen Leben teilzuhaben, ja dieses sogar zu gestalten. Im Gegensatz zu anderen Artikeln der Zeit sind die von Brecht allerdings nie von Gehässigkeit, sondern von Unvoreingenommenheit geprägt. Das zeigt sich z. B. darin, dass er den hasserfüllten Äußerungen Ludwig Ganghofers, der etwas älter war als Brecht, aber die gleiche Schule besucht hatte, in der Augsburger Presse versöhnlichere Texte entgegensetzt.

Bis Ende Februar 1916 veröffentlichte Bertolt Brecht weiterhin Texte in Augsburger Zeitungen, die sich mit dem Krieg beschäftigten und die er unter Pseudonym veröffentlichte. Dann erschien am 13. Juli 1916 im Erzähler?, einer Literaturbeilage der Augsburger Neuesten Nachrichten? das Gedicht "Lied von der Eisenbahntruppe vom Fort Donald", das zum ersten Mal mit seinem wirklichen Namen gezeichnet war und Schluss machte mit Themen, die auf den Krieg zurückzuführen waren.

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