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Brechtfestival Augsburg

Ein Kultur-Festival in Augsburg, das die frühere Veranstaltung abc-Festival ersetzt.

Allgemeines

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Die in Augsburg 2008 an die Macht gekommene konservative Stadtregierung von CSU und PRO Augsburg stellte noch im Jahr der Machtübernahme das ehemalige abc-Festival zu Ehren Bert Brechts mit Verweis auf die Kosten ein. An seine Stelle trat das Brechtfestival Augsburg, das 2010 zum ersten Mal durchgeführt wurde und sich vom Konzept her von dem früheren abc-Festival unterscheidet. Man will mit dem neuen Brechtfestival ein breites Publikum ansprechen, keine "Szene", die von Veranstaltung zu Veranstaltung zieht.

Das Brechtfestival verbindet Film, Theater, Musik, Lyrik und Medien, bietet Filme, Theateraufführungen, multimediale Inszenierungen, Poetry Slams, Konzerte, Vorträge und Diskussionsrunden mit einer Vielzahl an renommierten und prominenten Gästen. Zu den Höhepunkten zählt die Brechtgala im Theater Augsburg. Einen Ausklang findet das Festival mit der Verleihung des Bertolt-Brecht-Preises.

Als Ziel des Festivals wird formuliert, dass bisher vernachlässigte Seiten des Künstlers Bertolt Brecht in den Vordergrund gestellt werden sollen, etwa seine Universalität und Modernität als Künstler und Musiker. Auch soll die politisch-ideologische Einordnung Brechts, die nach dem Ende des Kalten Krieges noch nicht korrigiert wurde, auf den Stand der heutigen Forschungslage gebracht werden.

Daneben sollen auf jedem Brechtfestival aktuelle Brechtinszenierungen und -interpretationen vorgestellt werden. Ganz in der Tradition Brechts sollen auch experimentelle Veranstaltungsarten und verschiedene Formen der Publikumsbeteiligung integriert werden, um so die Grenze zwischen Konsumenten und Produzenten zu verwischen.

In den dreizehn Festivaltagen soll Brecht in all seinem Facettenreichtum, seiner Aktualität, aber auch in seiner Unbequemlichkeit und Widersprüchlichkeit wieder in seiner Heimatstadt lebendig werden. Brecht verlangt, die Kunst müsse vor allem Spaß machen und gleichzeitig beitragen zur größten aller Künste, zur Lebenskunst. Das Festival versucht, diesem Ziel gerecht zu werden. Dabei wird Brecht nicht auf einen Sockel gestellt, sondern das Werk in seiner widersprüchlichen Wirkung dargestellt, mitsamt den Irrtümern Brechts.

Geschichte

2010

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Im Jahr 2009 fand weder ein abc-Festival noch ein Brechtfestival, sondern nur eine Rumpfveranstaltung mit dem Thema Brecht statt, die so genannte Brechtnacht. Das erste Brechtfestival neuen Zuschnitts fand im Januar 2010 statt. Das Team bestand aus Dr. Joachim Lang, dem Leiter, seiner Assistentin Barbara Eschlberger? und dem Brechtforscher Jan Knopf?. Das 13-tägige Festival musste 2010 mit einer städtischen Fördersumme von 120.000 Euro auskommen - gegenüber 150.000 Euro für das viertägige abc-Festival zuvor. Insgesamt besuchten etwa 8.000 Menschen die Veranstaltungen des Festivals, etwa doppelt so viel wie in früheren Jahren das abc-Festival.

Das Schwerpunktthema 2010 war: Brecht und Film - Die Kunst braucht den Film. Der Film braucht die Kunst. Dabei ging es um die Filmarbeit Brechts. Ab 1920 entwarf er Filmstoffe, arbeitete Drehbücher aus und beschäftigte sich mit Filmregie. In der Presseerklärung zum ersten Jahr des Festivals hieß es: "Mit Karl Valentin schuf er einen Stummfilmklassiker, "Kuhle Wampe" ist der Prototyp des Arbeiterfilms, "Hangmen Also Die" zählt heute zu den bedeutendsten amerikanischen antifaschistischen Filmen. Viele seiner Filmideen wurden von anderen aufgegriffen, in Hollywood war er als Skriptwriter erfolgreicher, als bisher angenommen. Nicht zuletzt aus seinen Theaterstücken entstanden immer wieder Meilensteine des Films. Damit ist Brecht der meistverfilmte Autor überhaupt. Aber nicht nur seine Stoffe, auch seine theoretischen Überlegungen prägen bis heute Regisseure wie Lars von Trier oder Volker Schlöndorff. Brecht öffnete sich auch anderen Massenmedien, die in seiner Zeit noch in den Kinderschuhen steckten. In der Auseinandersetzung mit dem Radio forderte er, das Publikum aus der rein rezipierenden Haltung zu befreien. Kunst soll nach Brecht Spaß, den Einzelnen aber auch zum aktiven Teilnehmer machen. Im Zeitalter des Web 2.0 sind Brechts Medientheorien aktuell wie nie: Der „User“ hat den passiven Konsumenten abgelöst."

Unterhaltende Veranstaltungen und Diskussionen sollten diese Aktualität greifbar machen; in experimentellen und interaktiven Formaten wurde Brechts Werk gattungsübergreifend auf dem Festival fortgeschrieben. Passend zum Schwerpunktthema des Jahres rief das Kulturamt? der Stadt einen Kurzfilmwettbewerb aus, der mit 1.000 Euro für den 1. Platz dotiert wurde.

Es kamen renommierte Gäste wie die Regisseure Erich Breloer, Larry Weinstein, Andres Veiel, die Brecht-Experten James K. Lyon, Jürgen Hillesheim und Jan Knopf, die Schauspielerin Regine Lutz, die Sängerin Annett Louisan, die Brecht-Enkelin Johanna Schall, Heino Ferch u. v. m. Daneben kommen aber auch Augsburger Akteure zum Zug: das Theater Augsburg, die Universität Augsburg, das S’ensemble Theater, Lydia Daher und Tom Schulz, Franz Fischer? und Kurt Idrizovic ...

Insgesamt gab es knapp 40 Veranstaltungen auf dem ersten knapp zwei Wochen dauernden Augsburger Brechtfestival: Videowettbewerb, Schreib- und Filmworkshops, ein Kurs für Kurzfilmmusik, Slams, Konzerte, Lesungen etc.

2011

Übergreifendes Thema ist "Brecht und die Musik". Die Texte von Bertolt Brecht haben viele Komponisten, Sänger und Liedermacher inspiriert. Sie haben seine Worte wie der Bernstein die Fliege eingeschlossen, so ein Wort von Bertolt Brecht selbst zu den vielen Vertonungen seiner Werke. Ein Grund dafür, in den verschiedensten Kulturkreisen nachzuforschen und die Interpretation der brechtschen Werke in der Musik zu ergründen.

2012

"Brecht und Politik". So das Thema 2012. Der Hintergrund ist der ideologische Missbrauch, den man mit Bertolt Brecht getrieben hat. Er wird als politischer Autor und Ideologe gesehen, doch hat er sich immer gegen die Verhärtung in bestimmten Sichtweisen gewendet und meinte, dass der Irrtum die Grundvoraussetzung für Erkenntnis sei. Zwar war er politisch gesprochen eindeutig ein Linker, aber von sozialistischen Paradiesen hielt er nichts, war gegen feste Weltanschauungen.

Details

Das Brechtfestival Augsburg in seiner neuen Konzeption zeichnet sich durch ein Jahres-Schwerpunktthema aus. Karoline Sprenger schrieb im Dreigroschenheft 4/2009, dass das Brechtfestival wenig mit einem klassischen Literaturfestival zu tun habe. Weil Bert Brecht ein Universalist war und sein Werk alle Medien, die Musik und die darstellenden Künste einschloss, ist das Brechtfestival als Kulturfestival konzipiert, das den enormen Umfang des brechtschen Werkes bekannt machen soll. Literatur, Musik und Film sollen gleichberechtigt zum Zug kommen, die Offenheit des Werkes soll dazu genutzt werden, es zu verheutigen und weiterzuentwickeln. Im brechtschen Sinn sollen verschiedene Kunstrichtungen und Ideen zusammengebracht werden, die BürgerInnen aller Bildungs- und Altersschichten ansprechen.

Künstlerischer Leiter des Augsburger Brechtfestivals ist Dr. Joachim Lang. Zu Beginn des Brechtfestivals erklärte er eine neue Brecht-Rezeption in Augsburg aufschlagen zu wollen. Er wolle ein neues Bild des Schriftstellers vermitteln und Brecht entideologisieren. Zu seinem Konzept gehört auch, Theater, Literatur, Wissenschaft und Jugendkultur in das Festival zu integrieren, wobei die Teilnehmer nicht nur konsumieren, sondern sich in Workshops, Wettbewerben oder Publikumsplattformen selbst einbringen sollen. Die verschiedenen Aspekte und Kunstformen des Brechtfestivals sollen durch ein Jahresthema zusammengefasst werden. Die Rezeption des großen Augsburger Dichters hält Lang für verengt und ideologisiert. Diese Art der Rezeption will Lang mit dem Augsburger Brechtfestival aufbrechen und den Dichter als Künstler zeigen, der die bisherigen Grenzen der Künste überschreiten und neue Ausdrucksformen ausprobieren wollte, indem er neue Genres und neue Medien in seine Kunst integrierte.

Zu den regelmäßigen Besucherinnen gehörte Regine Lutz, die zum Berliner Ensemble von Bertolt Brecht gehörte. Sie hat Brecht 1947 in Zürich kennengelernt.

Presse

2010

Das Medienecho auf das Brechtfestival war groß, sowohl in Bayern als auch überregional. Auch das Radio und das Fernsehen berichtete, außer augsburg tv der BR?, RTL und 3Sat.

Die großen Namen fürs arrivierte Publikum, Pop für die Jungen, das könnte eine zugkräftige Mischung sein. Aber Lang will mehr. Er will den modernen Brecht, jenseits von Drama, Lyrik, Prosa - und Pose. (WELT AM SONNTAG, 31. Januar 2010)

Glamour - oder was man in der Provinz dafür hält ... Aber auch was das "Event" angelangt, war die Festivaleröffnung am Freitag ernüchternd: Von Glamour war da wenig zu spüren, höchstens davon, was man in der Provinz dafür hält. Im Anschluss war das Kopfschütteln zumindest bei vielen Augsburger Kulturschaffenden groß, die Vorsichtigen sprachen von einer "inhaltsarmen" Veranstaltung, andere von "Peinlichkeiten ohne Ende". Ein Oberbürgermeister, der bei einem solchen Anlass von "Standortvorteilen" spricht und damit zeigt, dass er weder für Brecht noch für dessen Publikum das geringste Gespür hat, hilft auch nicht weiter." (Frank Heindl in der DAZ, 1. Februar 2010)

Augsburg muss das ABC noch lernen ... Die Auseinandersetzung mit Brecht findet nur insofern statt, als dass jetzt mehr Menschen als zuvor wissen, dass er auch witzige und ernste Filme gemacht hat. (Süddeutsche Zeitung, 11. Februar 2010)

Es ist gelungen, Brecht als modernen, unabhängigen Universalkünstler verständlich zu machen und ins Zentrum zu rücken. (spielfilm.de, 11. Februar 2010)

Alles in allem war das natürlich eine Veranstaltung für Fans, für Leute, die ihren Dichter auf dem Sockel sehen wollen. Brechtkritik, auch von Festivalleiter Joachim Lang als unabdingbar gewertet, kam nicht vor, ist doch Augsburg voll und ganz damit beschäftigt, den verlorenen Sohn wieder heimzuholen - und damit nicht nur ihn, sondern auch sich selbst zu feiern. (Frank Heindl in der DAZ, 13. Februar 2010)

Der Versuch, Augsburg als die deutsche Brecht-Stadt darzustellen, kommt nicht recht voran, obschon dort jedes Jahr ein Brecht-Festival stattfindet. (Südwestpresse, 13. Februar 2010)

Am 10.02.2010 ging das BRECHT FESTIVAL AUGSBURG 2010 mit einer großen Gala zu Ende und kann eine überaus erfolgreiche Bilanz ziehen. Viele Künstler, Interpreten, Regisseure und Gäste begleiteten 13 Tage lang das Festival unter dem diesjährigen Motto "Brecht und Film". Mit klassischen Brecht-Aufführungen, Filmen und Diskussionen bis hin zu Programmen aus der aktuellen Kunst- und Kulturszene - mit Performances von Annett Louisan, Gustav, Kitty Kat und verschiedenen Slam Poeten - zeigte das Festival die immense Bandbreite des Brechtschen Schaffens und seine nachhaltige Wirkung auf Künstler der heutigen Zeit. Es ist gelungen, Brecht als modernen, unabhängigen Universalkünstler verständlich zu machen und ins Zentrum zu rücken. (digitalvd.de, 15. Februar 2010)

Insgesamt eine gelungene, heitere Veranstaltung, die jedem Laien eine Vorstellung von der Person Bertolt Brecht gab. (Diana Deniz im Dreigroschenheft 2/2010 zur Sonntagsmatinee "Brecht für Kinder")

Der Erkenntnisgewinn blieb meistens aus, oftmals nahm man nur die Feststellung mit, dass Brecht ein (filmbegeisterter) Frauenheld war und nicht gut roch. Auflockerung sollten dann wohl die großen Termine wie Eröffnung und Gala bringen, die aber alles in allem als verunglückt gelten müssen. Erstere erinnerte eher an den ZDF-Fernsehgarten, letztere erwies sich als hastige Nummernrevue mit peinlichen Aussetzern … Und setzt man den Zuschauerzuspruch (8.000 gegenüber 3.500 beim abc ins richtige Verhältnis (13 Tage gegenüber vier), ist auch das kein Grund für die übermäßig freudige Genugtuung, wie sie Peter Grab aus den Zahlen zog. (Neue Szene 03/10)

Lieber Herr Lang, lassen sie Augsburg nicht allein, so einsam mit BB, das ist (noch) nichts für den Fuggerstädter. Der braucht eine starke Hand, sonst büxt er aus, vergibt Brecht-Preise an Verschmähte und wundert sich über verwunderte Gesichter, wie Kulturreferent Peter Grab, der Langs Vorgänger Albert Ostermaier absägte und heute auszeichnet. Sie kommen bald wieder? Schön. (Wilma Sedelmeier im Augsburg Journal 03/10)

Weblinks


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