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Brecht und die Frauen

Das Thema beschäftigt heute nicht nur Germanisten, sondern auch Gender-Forscherinnen und -Forscher. Neben der wissenschaftlichen Betrachtung bietet es sich auch an für Boulevard-Blätter, denn es ist unerschöpflich.

Die erste wichtige Frau im Leben Brechts, Paula Banholzer beschrieb ihre Beziehung zu Brecht später einmal so: "Ich war sein persönliches Eigentum, und er ließ mich das durchaus fühlen." Wahrscheinlich hätten viele Frauen, mit denen Brecht verbunden war, diesen Satz unterschreiben können. Obwohl sich später Helene Weigel? nicht anders fühlte, wollte sie neben Brecht begraben werden.

Zwar wollte Brecht seine Jugendliebe Paula Banholzer schon früh heiraten, doch konnte er schon ihr nicht treu bleiben und hatte neben dem unehelichen Kind mit ihr schon bald zwei weitere Kinder mit zwei weiteren Frauen. "Lass sie doch wachsen, die jungen Brechts!", kommentierte der Augsburger Dichter. Ein egozentrischer Satz, der deutlich macht, dass Brecht in seinen Kindern etwas völlig Natürliches sah, das keinen Bezug zu moralischen Fragen beinhaltete.

1922 heiratete Brecht Marianne Zoff?, begann aber schon kurz darauf eine Beziehung zu Helene Weigel? und ließ sich nach zwei Ehejahren von seiner Frau scheiden , um Ende der 1920er Jahre Helene Weigel? zu heiraten, seine langjährige Geliebte. Sie war es, die ihm bis zu seinem Tod als Frau verbunden war, aber sowohl unter Brechts Untreue wie auch unter seinem übersteigerten Selbstbewusstsein zu leiden hatte.

Warum konnte Bertolt Brecht keiner Frau treu sein? Natürlich wird sich diese Frage nie völlig objektiv beantworten lassen, weil niemand die letzten Geheimnisse eines Menschen ergründen kann. Aber eine Antwort auf sie muss sicher Brechts Einstellung berücksichtigen, dass Sexualität von Bindungen gelöst zu sehen sei. Dazu kommt, dass er seine Geliebten künstlerisch "ausgebeutet" hat, wie sich an seinen Beziehungen zu Margarethe Steffin?, Ruth Berlau? oder Elisabeth Hauptmann? zeigen lässt. Neben sexuellen Beziehungen waren Brechts Beziehungen zu Frauen meist auch Arbeitsbeziehungen. Sie schufen ihm das kreative Milieu, in dem er etwas schaffen konnte.

Der Anteil der meisten Frauen im Leben Brechts ging allerdings über das Dasein einer Muse hinaus. Sie arbeiteten mit ihm und für ihn. Manche waren ihm regelrecht hörig. Allerdings ist es müßig, den Anteil seiner Geliebten an seinem Werk im Einzelnen klären zu wollen. Das wird kaum möglich sein. Die Ideen anderer zu übernehmen gehörte für Brecht zu seinem eigenen Schaffensprozess und bewusst nutzte er Gruppenarbeit, um sein eigenes Werk voranzutreiben. Sicher ist, dass dabei sein eigener Anteil nicht immer der entscheidende war.

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