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Brecht, Stefan

ein US-amerikanischer Schriftsteller deutscher Herkunft; Sohn von Bertolt Brecht mit Helene Weigel?, genannt "Steff".

Leben und Wirken

Stefan Brecht wurde am 3. November 1924 in Berlin geboren und war der zweite uneheliche Sohn von Bertolt Brecht mit Helene Weigel?, die Bertolt Brecht erst im Jahr 1929 heiratete, als er von Marianne Zoff? geschieden war.

1931 wurde der Sohn des bekannten Dramatikers in Deutschland eingeschult.

Als seine Eltern im Februar 1933 aus Deutschland flohen, wurde Stefan Brecht kurz bei Elisabeth Hauptmann untergebracht, bevor er im März 1933 ebenfalls nach Prag gebracht wurde, wo sich seine Eltern aufhielten.

1937 wurde Stefan, seine Schwester und seine Mutter von Deutschland ausgebürgert, was bei Bertolt Brecht schon früher geschehen war.

Stefan Brecht scheint sehr intelligent gewesen zu sein, denn die vielen Umzüge seiner Eltern im Exil machten ihm keine Schwierigkeiten und auch die jeweiligen Landessprachen lernte er schnell. Im Sommer 1939 konnte er in Schweden sogar eine Klasse überspringen. Schon im dänischen Exil soll Brecht seinen Sohn Stefan in seine Arbeit eingebunden haben. Auch einige Gedichte Brechts sind Stefan gewidmet, so z. B. "Kleine Lieder für Steff", "Alfabet", "Es war einmal ein Fisch mit Namen Fasch", "Wehe" etc. Mit dem letztgenannten Gedicht wollte Brecht Stefan dazu anregen, über das Theater nachzudenken. Überhaupt hat der Vater Brecht seinen Sohn schon im Alter von 13 Jahren dazu herangezogen, die eigene schriftstellerische Tätigkeit zu beurteilen. Bei "Der Aufstieg des Arturo Ui" hat er seine Kenntnisse über die amerikanische Gangsterwelt beigetragen und auch über den Kommunismus diskutierte er mit seinem Vater, der sich wiederum für den Schulstoff von Stefan interessierte.

In den 1940er Jahren nabelte sich Stefan Brecht aber immer mehr von der Familie ab. Das begann damit, dass er 1942 an der UCLA in Kalifornien das Chemiestudium begann. 1944 wurde er zur amerikanischen Armee eingezogen, wo er nach dem Grundwehrdienst ab Januar 1945 in Chicago Japanisch lernte. Im Juli 1945 setzte er nach seiner Entlassung aus der Armee das Chemiestudium fort. Allerdings hat er sich auch in diesen Jahren noch an väterlichen Werken beteiligt, etwa indem er Übersetzungen korrigierte oder mit seinem Vater über die damals entstandenen Werke diskutierte.

Durch seinen Militärdienst in der Armee war Stefan Brecht amerikanischer Staatsbürger geworden und während die übrige Familie wieder nach Europa zurückkehrte, blieb er in den Vereinigten Staaten, wo er bis zu seinem Tod lebte.

Auch nach der Trennung von der Familie, blieben Arbeitsbeziehungen. So bekam er vom Vater immer wieder Werke zur Beurteilung geschickt oder besorgte diesem Literatur. Der Briefwechsel zwischen Vater und Sohn liest sich stellenweise wie die Fortsetzung eines unterbrochenen Gesprächs.

1950 machte Stefan Brecht in Berlin im Kreis der Familie Urlaub und im Dezember 1952 schrieb er sich zum Studium in Paris ein. 1953 begegnete er dem Philosophen Cornu, kehrte aber wieder in die USA nach Berkeley zurück. In diesen Jahren zweifelte Stefan Brecht daran, dass Chemie die richtige Ausbildungswahl war, weshalb er sich in dieser Zeit der Philosophie und dem Theater zuwandte. Damals begann er selbst zu dichten und Arbeiten über das Theater zu schreiben. Er wies schon früh auf neue Kräfte im amerikanischen Theater hin, wurde aber in Deutschland nicht rezipiert. So entdeckte er z. B. den Regisseur Robert Wilson und das Living Theatres der Judith Malina.

Hin und wieder unterstützte Bertolt Brecht Stefan mit Geld, z. B. mit dem Honorar aus der argentinischen Fassung des Dreigroschenromans.

Das Studium schloss er an der Harvard University mit einer Promotion in Philosophie ab. Danach arbeitete er an der Pariser École pratique des hautes études, später als Dozent an der University of Miami. Mit seiner Frau, der Kostümbildnerin Mary McDonough, mit der er einen Sohn und eine Tochter hatte, zog er nach New York, um sich ins Theaterleben zu stürzen. Seit den 1960er-Jahren veröffentlichte Stefan Brecht Bücher und Gedichtbände.

Nachdem 1971 seine Mutter gestorben war, trat er gemeinsam mit seinen Geschwistern in die Rechte am Erbe seines Vaters ein. Er war Erbenbevollmächtigter und kümmerte sich insbesondere um die Rechtewahrnehmung im englischsprachigen Raum. In zweiter Ehe war er mit Rena Gill verheiratet. In den 1970er Jahren veröffentlichte Stefan Brecht bei Lawrence Ferlinghetti's City Light, dem berühmten Verlag der amerikanischen Beat-Poeten, seine erste Gedicht-Sammlung.

1981 erschien im Aufbau-Verlag ein Buch mit Gedichten von Stefan Brecht und 1987 veröffentlichte er zum Thema Theater das zweibändige Werk "The Bread and Puppet Theatre".

Stefan Brecht starb am 13. April 2009 im Alter von 84 Jahren in New York City nach langer Krankheit.

In New York war vor allem die 8th Avenue sein Lebensbereich. Noch in hohem Alter ging er jeden Tag von seiner Wohnung in Greenwich Village zu seinem Schreibzimmer im berühmten Chelsea Hotel. Dieser tägliche Weg spiegelte sich auch in seinen literarischen Werken, in denen er in einer einfachen Alltagssprache Begegnungen mit Pennern, Junkies und Nutten festhielt.

Werke (in Auswahl)

  • The Theatre of Visions: Robert Wilson (1972)
  • Poems (1978)
  • Queer Theatre (1982)
  • Bread and Puppet Theatre (1987)
  • 8th Avenue (2006) (Poems)

Viele seiner Gedichte sind noch unpubliziert, ebenso eine Studie über Karl Marx.

Sonstiges

2010 wurden auf dem Brechtfestival Augsburg nach langer Zeit zum ersten Mal wieder Gedichte und Texte von Stefan Brecht gelesen, der in Deutschland nie als Dichter wahrgenommen wurde.

Von Stefan Brecht wird berichtet, dass er eine Distanz zu den Dingen pflegte, die Philosophie liebte, aber Schwierigkeiten mit menschlichen Beziehungen hatte, weil ihn ihre Architektur befremdete. Wenn Stefan Brecht seinen eigenen Erinnerungen aus der Kindheit und Jugend nachging, hielt er dabei viele schöne Eindrücke fest, auch wenn ihm diese Zeit als ein rastloses Vagabundenleben erschien, das er für sich in den 1940er Jahren beendete.

Weblinks


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