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Ausschnitt aus "Didyme", Kapitel 2

von Patricia Ging?

Die junge Autorin Patricia Ging? schreibt auf fanfiction.de. Dort werden Romane oder Geschichten aufgegriffen und eigene Geschichten zu den Personen oder Stoffen geschrieben. Patricia Ging? beteiligt sich bei dem Fandome "Bis(s)". Dort hat sie sich eine Gruppe von Vampiren ausgesucht, die als Könige oder Herrscher in dieser Welt angesehen werden. Der nachfolgende Ausschnitt ist als Prolog zur Romanhandlung zu verstehen. Eine Person plant einen Mord in den eigenen Reihen - und die anderen ahnen es.

Bedrückend, kalt und schrecklich. Diese drei Worte beschrieben die unbarmherzige Stimmung des Raumes, in dem die sechs Personen verweilten. Jeder einzelne saß genau an dem Ort, an dem er es beabsichtigte, aber genau dies schien womöglich falsch zu sein ... Die tödlichen und dennoch teils sanften Augen hafteten an denen des Gegenübers, doch manchmal schienen sie sich zu verirren, einen anderen Weg zu suchen. Die Blicke huschten umher - ohne Ziel, denn sobald sie eines fanden, eilten sie ertappt fort, unmöglich gefunden zu werden. Aber nur für wenige war es eine Qual, purer Schmerz in diesem Moment. Die Gedanken eines Mannes waren präsenter als das laute und durchdringende Ticken der Uhr, das an den so warmen, geräumigen Wänden widerhallte. Es schien ein Spiel mit den Insassen zu treiben, denn es war weder gleichmäßig noch ein normales Ticken. Es war ... wie ein rhythmischer Herzschlag, ein vergessenes Herz in einer Schatulle aus Gold. Ablaufende Zeit ... Mit jedem Schlag war man fähig, sie zu erfassen.

Doch es wäre mir nicht möglich zu sagen, welche der Personen am meisten danach trachtete, den Raum zu verlassen. Welche am undurchdringlichsten und verlorensten aussah. Welche am meisten spürte, dass etwas kam. Etwas Schreckliches und Grausames. Eine furchtbare Zeit. Die Personen im Raum lasen es an den Blicken des Denkenden ab, der so laut zu denken schien, dass man es einfach erblickte ... So saßen sie dort, alle sechs, und schienen auf das Ende der Zeit zu warten, die durch die Sanduhr rieselte. Sie schienen zu warten auf etwas, das nur sie in der Hand hielten. Sie warteten auf das Unmögliche. Einigkeit.

Drei Männer, drei Frauen waren es. Sie alle sahen sich an, dann wieder auf den Boden ... Die Kälte, die durch kleine Ritzen in der Mauer kroch, war zum Greifen nahe. Der Regen und der Wind spielten mit den Fenstern und ließen das Schloss in ein lautes, schmerzhaftes Heulen versinken, das unmöglich zu überhören war. Es schien sie zu strafen. Zu strafen für die falschen Taten, die sie schon bald begehen würden.

Drei Personen waren in dem Raum, die von alledem nichts wussten. Sie spürten die Aura, sie spürten die Kälte in dem Raum, sie wussten um die Lügen, die gesprochen wurden, aber sie konnten nicht sagen, wieso es so war. Das war auch mir nicht möglich. Ob es hier begonnen hatte, ob es später begonnen hatte, konnte niemand sagen, doch dieser Tag würde auf ewig in den Gedanken aller liegen ... Eine furchtbare Aura umgab einen der Männer und ließ jeden zutiefst erschaudern. Jeder der fünf anderen mied seinen Blick, der sich fast krankhaft ins Innere der Person gegenüber bohrte - wie ein schmutziger Wurm in fahle, nasse und schwere Erde. Seine Augen allerdings verrieten nichts von seinen falschen Gedanken. Es war nur der Blick, den die Frau mit schwarzen Augen freundlich erwiderte. Zu freundlich, denn es war ein gespieltes Lächeln, ein aufmunterndes Lächeln, das falsch war. Sie fürchtete sich vor ihm, wagte es nicht, ihn nach seinen Gedanken zu fragen.

Allesamt trugen sie Gläser in den Händen, die keineswegs die rötliche, italienische Köstlichkeit in sich trugen. Es war ein Leichtes, nicht in Versuchung zu geraten, auch wenn all ihre Augen schwarz wie Pech waren, vor Durst so schwarz wie das Nichts. Nur eine der Frauen hatte ihr Glas auf den Tisch gestellt. Es schien nicht in das Muster der anderen fünf zu passen, um die sich Hände fest klammerten, als wären die Gläser ein Schutz, eine Mauer ... Doch diese eine Frau benötigte das Glas nicht. In ihr schien nur die Wut zu brodeln. Die Wut über das Verhalten ihrer Geliebten. Nur aus diesem Grunde hatte sie das Glas auf dem Tisch abgestellt. Um zu zeigen, dass alles keinen Sinn hatte.

Das Ticken der Uhr schien lauter zu werden und die Worte der Frau zu übertönen wie schaurige Gespenster, die ihre Worte nicht hören wollten. Auch der Wind heulte erbärmlich wie ein vom Teufel besessenes Kind, das den Namen Gottes nicht ertrug.

"Ich verstehe es nicht ...", sprach die Frau und beugte sich leicht nach vorn, betrachtete sanft und herzlich jeden Einzelnen der Anwesenden.

Ihre Stimme war zart, sanft und so leise, dass es dem Wind, dem Kind, fast gelang sie zu verschlucken. Doch sie bohrte sich in das Gehör der anderen wie schmerzhaftes Gift. Die Sille schien eindämmend gewesen zu sein ... Noch nie war es vorgekommen, dass keiner etwas sagte. Nicht einmal die andere Frau, die neben ihr saß und ihr so nah war wie ihr eigener Schatten im Licht der verschwimmenden Kerzen, sagte etwas. Sie starrte nur auf die Flamme der einen Kerze in der Mitte des Tisches, die ein herrliches Blutbild zauberte und kleine Wellen auf der Oberfläche tanzen ließ. Das heiße Wachs lief hinab. Sogleich würde es den samten erscheinenden Tisch erreichen, der in der Dunkelheit leuchtete ...

Niemand sprach ein Wort. Niemand würde ein einziges, wahres Wort verschwenden. Nicht heute, nicht jetzt ... Nicht über das eine Thema, das verboten war. Das Thema, das nur einem einzigen Gedanken gehörte. Dass sie es verstand, wusste er nicht. Die Beiden sahen sich nur an, doch nur sie besaß das immerwährende, krankhafte Lächeln.


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