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Augustusbrunnen

Einer der Augsburger Prachtbrunnen. Errichtet in den Jahren 1588 bis 1594 von Hubert Gerhard? zur 1600-Jahrfeier der Stadt. Standort: Rathausplatz.

Allgemeines

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Der Brunnen spielt auf die Gründung der Stadt Augsburg durch Kaiser Augustus? an. Es handelt sich um eine große Bronzestatue des Kaisers, die von Hubert Gerhard?, einem niederländischen Bildhauer, modelliert wurde. Gegossen hat die Statue der Augsburger Stadtgießer Peter Wagner?. Außerdem wurde bei der Gestaltung des Brunnens auch Marmor verwendet.

Die Gestaltung des Brunnens lehnt sich an italienische Vorbilder an (Florentiner Grundtypus). So standen der Neptunbrunnen von Giovanni da Bologna in Bologna sowie der gleichnamige Brunnen von Ammanati in Florenz Pate bei den Liegefiguren des Augustusbrunnens: Der Lech, die Wertach, der Brunnenbach (Brunnenlech?) und die Singold? sind personifiziert an den Ecken des Beckenrands, der vierpaßförmig gestaltet ist, liegend angelehnt.

Der Augustusbrunnen ist ausgewogen komponiert, weist ein anspruchsvolles Bildprogramm auf und kann deshalb trotz seiner Vorbilder als eine eigenständige Leistung des deutschen Spätmanierismus betrachtet werden.

Über einem viereckigen, gebauchten Marmorbecken mit halbrunden Ausbuchtungen erhebt sich ein Marmorpostament, worauf sich die bekrönende Bronzefigur des Kaisers Augustus erhebt. Zusammen mit dem Rathaus und dem Neuen Bau? von 1614 betont er den hohen Rang der Reichsstadt.

Geschichte

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Am 17. April 1594 wurde der erste der Augsburger Prachtbrunnen auf dem Rathausplatz, damals noch der Eiermarkt eingeweiht.

Im Jahr 1672 fanden erste Restaurierungsarbeiten am Augustusbrunnen statt.

1749 erneuerte man den Brunnenpfeiler in den Dekorformen des Rokokos.

Zur 2000-Jahrfeier der Stadt Augsburg stellte man das schmiedeeiserne Gitter von Georg Scheff? wieder um den Brunnen herum auf.

Im Jahr 1993 begann man mit der Renovierung der Augustusfigur und ersetzte die Originalfigur durch eine Kopie, die mit Geldern der Messerschmitt-Stiftung? finanziert wurde. Auch die Becken und Pfeiler des Brunnens sind heute Kopien.

Details

Die Figuren des Brunnens sind aus unterschiedlichen Kupferlegierungen gegossen. Die Hermen und die Augustusstatue sind aus einer sehr bleihaltigen Zinnbronze, die rötlich wirkt. Die Putti beinhalten weniger Blei, was jedoch kaum einen Farbunterschied ergibt. Die Wassergottheiten hat man aus goldfarbigem Messing gegossen.

Die Bronzen wurden alle sehr aufwendig bearbeitet. Man nimmt an, dass der Brunnen poliert und metallisch blank aufgestellt wurde. Wahrscheinlich waren die Farbunterschiede, die sich durch die Verwendung unterschiedlicher Legierungen ergaben, gewollt. Dahinter steht wahrscheinlich eine besondere Brunnen-Ikonologie: Augustus? sollte rot schimmern, was die weltliche Macht symbolisiert. Die Flussgötter mehr in Gold, denn Gold ist die Farbe des Lichts und des Göttlichen. Gut erhaltene Partien des Brunnens weisen keine Bearbeitungsspuren wie Aufrauhungen auf, auch konnte man keine Vergoldungsreste oder Firnisreste nachweisen.

Augustusstatue

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Die Figur von Augustus? ist etwa 2,50 Meter hoch. Sie wiegt 27 Zentner. Man stellte den Kaiser als einen etwa fünfzigjährigen Mann dar, der seine Rechte zur "adlocutio" erhebt. Das taten die römischen Kaiser, wenn sie eine feierliche Ansprache an ihr Heer begannen. Das Haupt des Kaisers bekränzt ein Lorbeerkranz, der für Ruhm, Ehre, Ruhe und Frieden steht, wurde doch Augustus? als der große römische Friedenskaiser gesehen (Pax Augustana). Auf dem Waffenrock, den der Augsburger Augustus? trägt, sind die üblichen Charaktereigenschaften verewigt, die von einem römischen Kaiser erwartet wurden: Löwenköpfe als Symbol für seine Stärke, Delphine mit einem Dreizack als Symbol für den raschen Entschluss. Außerdem sind Tritonen, Mischwesen aus Fisch und Mensch abgebildet. Unter den Füßen der Statue sieht man den Pinienzapfen (Zirbelnuss), das Stadtwappen von Augsburg; er steht auf einem korinthischen Kapitell. Zwei Steinbockschädel weisen darauf hin, dass Augustus? im Tierkreiszeichen des Steinbocks geboren wurde.

Die anderen Brunnenfiguren

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Neben der Hauptfigur des Augustus? hat der Augustusbrunnen vier große Nebenfiguren. Sie lehnen an den Ecken des Brunnenbeckenrands und stellen die vier Augsburger Wassergottheiten dar. Es handelt sich um Personifizierungen von Lech, Brunnenbach Brunnenlech?, Singold? und Wertach. Manche ordnen den Gestalten auch die vier Jahreszeiten zu: den beiden Frauen den Frühling und den Sommer, den beiden männlichen Gottheiten den Herbst und den Winter.

Direkt am Brunnenpfeiler sind weibliche Hermen angebracht, die man auch Pflockweiber nennt. Sie sind Symbole für den Überfluss und Reichtum Augsburgs und versprühen aus ihren Brustwarzen Wasser. Außerdem zieren vier Putti mit wasserspeienden Delphinen und vier Löwenmasken den Marmorsockel des Brunnens.

Der Lech

Der Lech ist der längste und älteste Augsburger Fluss. Er soll die Schifffahrt, die Jagd, den Wald und den Fischreichtum der Gegend symbolisieren. Als Attribute zieren ihn ein Kranz aus Tannenzapfen, ein Wolfsfell und ein Ruder, aber auch Schilfgräser, ein Krebs und Fische.

Der Brunnenbach Brunnenlech?

Der Brunnenbach hat einen Eichenlaubkranz, ein Netz und einen Fisch als Attribute. Damit weist er ebenfalls auf den Augsburger Fischfang und Fischreichtum hin.

Die Singold?

Die Singold? wird als Frau dargestellt, die einen krönchenartigen Kopfschmuck trägt. Sie ist mit einem dünnen Schleier verhüllt und besitzt auffallenden Halsschmuck. In ihrer Linken trägt sie ein Füllhorn, aus dem seltene Früchte quellen. Eine verzierte Kanne liegt in ihrer Rechten. Ihre Symbole weisen auf den Gartenbau und edle Gewerbe wie die Augsburger Goldschmiedekunst? hin.

Die Wertach

Die Frauengestalt der Wertach trägt eine Ährenkrone. Das Zahnradviertel und die Ähren bei ihr symbolisieren den Nährstand, also den Ackerbau, die Mühlen, die Pump- und Hämmerwerke der Gegend.

Die Inschriften

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Schon zur Einweihung trug der Augustusbrunnen Inschriften. Zunächst waren sie aus eingelegten Metallbuchstaben gestaltet. Im Jahr 1749, als man den Brunnen mit Rokoko-Dekor aufhübschte, ersetzte man diese Metallbuchstaben durch feuervergoldete Inschriften.

Jede Seite des Brunnenpfeilers trägt eine Platte mit einer Inschrift, insgesamt also gibt es vier Inschriften.

Die erste widmet sich Kaiser Augustus?, dem Gründer und Wohltäter der Stadt. Die Inschrift lautet: IMP.CAES.DIVI.F AUGUSTO PARENTI COLONIA AUGUSTA VINDEL. Dazu muss man bemerken, dass es wahrscheinlich noch nicht Augustus? war, der die Stadt Augusta Vindelicorum? nannte. Man vermutet, dass erst nach der römischen Eroberung des Voralpenlandes durch Drusus und Tiberius? die entstandene Zivilsiedlung am Zusammenfluss von Lech und Wertach den Namen Augusta Vindelicorum? erhielt - wahrscheinlich unter Kaiser Tiberius?.

Die zweite Inschrift ist Kaiser Rudolf II.? gewidmet. Während seiner Regierungszeit wurde der Brunnen gefertigt und aufgestellt, was die Inschrift zum Ausdruck bringt: POSITA ANNO A.CHR NATO MDXCIII IMP.CAES.RUDOLPHO P.F.AUG. Diese Zeilen hat man nach dem letzten Krieg folgendermaßen erweitert: MONUMENTUM BELLO DESTRUCTUM A.D. MCMXXXXIV RENOVATUM AERE CIVITATIAS A.D. MCML. Damit erinnerte man an die Zerstörung im letzten Krieg und die Restaurierung im Jahr 1950.

Die dritte Tafel zeigt nach Westen und trägt die Inschrift: ANNO A. COL DED MDCV IOAN VELSERUS II VIR PROBAVIT = Im Jahre 1605 seit Einweihung der Pflanzstadt (= 11 vor Chr.) gab der Stadtpfleger Johannes Welser? seine Billigung. Sie spricht also vom Gründungsjahr der römischen Kolonie und nennt den katholischen Bürgermeister der Stadt, während sich sein protestantischer Kollege Christoph Ilsung? wegen Meinungsverschiedenheiten nicht verewigen lassen wollte.

Die vierte Tafel hatte man zunächst nicht beschrieben. So bot sie Platz, um später auf die Restaurierungsarbeiten der Jahre 1672 und 1749 hinzuweisen.

Das Brunnengitter

1594 schuf Georg Scheff? das schmiedeeiserne Brunnengitter, das mit seinen Verzierungen ein Meisterwerk der Schmiedekunst ist und heute wie damals den Brunnen vor Beschädigungen schützt. Spiralranken und Spindelblumen bekrönen die Gitterstäbe.

Der Brunnen heute

Ein großes Problem ist die Konservierung des Prachtbrunnens. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts machte man sich Sorgen um den Zustand des Brunnens und gab der Königlichen Erzgießerei Fritz von Miller in München? den Auftrag, die Bronzen zu begutachten. Die Firma stellte fest, dass durch Frostsprengung große Risse am Brunnen entstanden waren, vor allem dort, wo die Figuren einen Gusskern und Armierungseisen aufwiesen. Nach langen Diskussionen entkernte man die Skulpturen und schloss die Risse mit Schweißungen - außer bei der Figur des Augustus?. Im Jahr 1922 setzte man in die Putti auch Schweißflicken ein.

Heute zeigen die Bronzefiguren die für dieses Material tyische Korrosionsschäden. So hat sich z. B. das Metall großflächig zersetzt. Das kann man an den grün-schwarzen Korrosionsmustern und den Niveauunterschieden innerhalb dieser Bereiche erkennen. Das bedeutet eine starke Strukturveränderung einen Substanzverlust der bisher geschlossenen Oberfläche.

Die Augustusfigur war durch die Jahrhunderte am meisten beschädigt, weil sie die ungünstigsten Legierung aller Figuren am Brunnen besaß. 88 Prozent Kupfer, 4 Prozent Zinn, 5 Prozent Blei und 1,5 Prozent Zink - das ist die Zusammensetzung der Augustusfigur. Weil die Härte hier sehr gering ist, zersetzt sich die Oberfläche flächig, pulvrig oder kreidig und das Material wird durch Regenabwasch immer geringer. Um die Statue zu retten, führte man sie 1993 der Renovierung zu und ersetzte das Original durch eine Kopie. Heute ist das Original der Augustusstatue im Innenhof des Maximilianmuseums untergebracht, der mit Glas überdacht ist.

Die Flussgötter am Beckenrand sind aus Messing und deshalb noch besser erhalten. Diese Kupferlegierung enthält 80 Prozent Kupfer, 15 Prozent Zink und 1,5 Prozent Zinn, sowie 2 Prozent Blei und weist im Vergleich zur bleihaltigen Bronze im Freien eine höhere Korrosionsbeständigkeit auf. Es fehlen deshalb die tiefen Korrosionswannen und die Korrosionsprodukte sind dunkler und fester. Die Oberfläche zeigt sich noch geschlossener. Aber auch hier bilden sich bereits kreidige Korrosionsprodukte in der Tiefe.

Die Figuren, die vom Wasserspiel des Brunnens tangiert werden, weisen starke Verkalkungen auf (oft mehrere Millimeter stark). Diese Kalkauflage wirkt schützend für die Bronzen. Tiefe Einkerbungen zeigen, dass man früher teilweise ziemlich grob versucht hat, die Kalkschichten mit Hammer und Meißel zu beseitigen.

Im Sommer ist der Augustusbrunnen ein beliebter Treffpunkt der Augsburger Jugend, die gern zu seinen Füßen oder auf seinen Stufen sitzt und sich unterhält. Nicht gern gesehen wird das Trinken von Alkohol und das Hinterlassen von Abfall. Dennoch kommt es vor und führt immer wieder zu lebhaften Diskussionen und Kontrollen.

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