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Augsburger Architektur

Allgemeines

Geschichte

1960er und 1970er Jahre

Nach etwa 40, 50 Jahren des Bestehens der zeitgenössischen Architektur der 1960er und 1970er Jahre war sie in Misskredit geraten und oft stellte sich die Frage nach Abriss oder Sanierung. Erst langsam entdeckte man den Wert des so genannten "Bauwirtschaftsfunktionalismus", wie die Architekturkritik das Bauen dieser Jahre abwertete. Nicht selten führten mangelnde Erfahrungen mit dem Sanieren von Nachkriegsarchitektur zu einem Verlust von wertvollen Denkmälern einer Zeitepoche. Wirtschaftliche Überlegungen führten oft zum Abriss. Ein positives Signal setzte dagegen in Augsburg die Sanierung der Entschluss, die Kongresshalle, einen Bau für die Massenkultur nach dem Zweiten Weltkrieg, aufwändig zu sanieren. Der 1972 fertig gestellte Bau stand wie andere ähnliche Bauten lange zur Disposition, doch deckte die Erneuerung die architektonischen Qualitäten des Gebäudes auf und zeigte, dass solche Bauten auch heutigen Ansprüchen gerecht werden und energieeffizient betrieben werden können.

Details

Augsburger Industrielandschaften

Auch in manchen Augsburger Industriegebieten ist die Welt am Tag kaum noch zu ertragen: zersiedelte Landschaft, Stadtautobahn, Monokultur, Flurbereinigung, Formverlust, Waschbeton sind Stichworte für die Prägung dieser Gebiete, man schaue sich z. B. nur das Industriegebiet in Lechhausen an. Die Menschen, die hier arbeiten, sind von einer Welt der Hässlichkeit umgeben und in einem amorphen Siedlungsbrei gefangen, der hier Richtung Autobahn A 8 ausläuft. Aber auch an anderen Stellen Augsburgs ist eine völlig profane Welt, ein entweihter Architekturkosmos entstanden, der Sterilität und Tod ausstrahlt. Wie Mahnmale menschlicher Raubgier türmen sich kastenförmige Arbeits- und Einkaufsstätten hintereinander auf, als ob sie als seltsame Beulenpest aus der Erde quellen würden. An diesen Industrielandschaften lässt sich studieren, dass wir als vermeintliche Herren dieser Architektur letztlich durch multiplizierte Sachzwänge zu ihren Sklaven geworden sind. Nirgendwo wird man das besser studieren können als etwa auf dem Gelände des GVZ.

Auch in Augsburg herrscht noch immer der Glaube an ständig wachsende Produktion und unendlichen Fortschritt, der eine verzweckte und abweisend gestaltete Architekturumwelt gebiert, die durch Vertotung und Artensterben geprägt ist. Das Augsburger GVZ ist geradezu ein Modellbeispiel für einen grenzenlosen Nicht-Ort, der in der Erfolgsgeschichte der Hässlichkeit des globalen Kapitalismus entstanden ist. Hier können wir besichtigen, wie die Stadt aufhört Stadt im eigentlichen Sinn zu sein, sich in Amorphität wendet und jegliche Identität verliert. Dass diese Logistik-Industrielandschaft Tag und Nacht dem Autobahnbenutzer ihr Bild von Augsburg einprägt, konterkariert die Bemühungen des Augsburger Tourismusmarketings in einer nicht gut zu machenden Weise und wird nur noch durch die Repräsentation Augsburgs durch die Müllverbrennungsanlage? an der Autobahnausfahrt Augsburg-Ost an Scheußlichkeit übertroffen. Ein Glück für Augsburg, dass hohe Schallschutzmauern an der A 8 den Vorstadtsiedlungsbrei und den Flächenfraß, den man hier früher als vorbeirauschender Autofahrer genießen musste, heute gütig verbergen.

Der Götze Ökonomie hat auch in Augsburg vielfältig gewachsene Kulturlandschaft zerstört und zubetoniert. Kein Wunder, wenn wir Bewohner dieser an ihren Rändern ausfranzenden Stadt immer öfter nur noch einen Gedanken haben: "Nichts wie weg!" Der Münchener Flughafen ist nicht weit. Und die virtuellen Träume von einer schöneren Umgebung beginnen zu leuchten, wenn wir den Computer einschalten und in unsere Gamewelten abtauchen. Die Heimatlosigkeit, die diese industrialisierte Augsburger Landschaft in uns aufkeimen lässt, treibt uns Entwurzelte an, noch öfter zu fliehen und "Ich bin dann mal weg!" zu sagen. Und weil uns der Raum keine Heimat mehr bietet, sondern nur noch Rohstoff unserer Lebenszeit ist, herrscht immer mehr die Zeit, leben wir in einer beschleunigten Welt, in der das Heute schon von vorgestern ist und ständig umgebaut wird, aufgeräumt und abgeräumt. Und so herrscht auch in Augsburg die tägliche Baustelle. Straßen und Plätze, die früher beschaulich waren, werden zu Orten von Hektik und Eile. Beständiger Lärm begleitet dieses ständige Hin und Her und Auf und Ab. Welche Folgen das hat, wissen wir nicht. Aber glauben wir im Ernst, dass die Seele den ständigen Fortfall von Heimat, die Verhässlichung unserer Augsburger Lebenswelten, das ständige Wechseln der Oberflächen ohne Schaden verkraftet?

Ausblick

Die Zukunft der europäischen Stadt wird heute wieder stark diskutiert. Vor allem osteuropäische Städte bauen mit Hilfe von Stararchitekten Hochhäuser und sind stolz darauf. Aber auch in manchen europäischen Städten wie London und Frankfurt bohren sich immer mehr Wolkenkratzer in den Himmel.

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Andere Städte – und dazu gehört auch Augsburg – sind skeptischer gegenüber einer Veränderung ihrer historischen Stadtansichten. Gegen den Hotelturm hat es starke Proteste gegeben und nach seinem Bau hat es keinen weiteren Hochhausbau in Augsburg gegeben.

Augsburg ist durch das Modell der europäischen Stadt geprägt: Die Stadt hat öffentliche Plätze, ein historisch gewachsenes Zentrum mit einem Nebeneinander von Wohnbauten, Geschäftshäusern und öffentlichen Bauten. Im Grunde ist die Innenstadt von Augsburg ein lebendes Museum. Ja, sie ist museal. Gefragt werden darf, ob nicht auch Augsburg Gebäude bräuchte, die mit der althergebrachten Stadtansicht brechen – etwa wie in Ulm?, wenn Augsburg zeitgemäß werden will.

Augsburger Stadtentwicklung kann ja wohl nicht heißen zum Altstadtmuseum für Asiaten und Amerikaner zu werden. Das kann nicht Ausdruck der Bewahrung kulturellen Erbes sein, wenn die Stadt vital bleiben will. Die Vertikale als Lebensraum kann angesichts ökologischer und ökonomischer Probleme eine mögliche Variante von Stadtentwicklung auch in Augsburg sein – angepasst an die lokalen Verhältnisse, so dass eine städtebauliche Unverwechselbarkeit bestehen bleibt. Auch in Augsburg sollte man begreifen, dass eine europäische Stadt nicht ohne Gebäude mit modernen, vielleicht auch gewagten Formen auskommt, wenn sie Zukunft gewinnen will. Eine Stadt wie Augsburg, die eine große und ruhmreiche architektonische Vergangenheit hat, ist immer in der Gefahr, sich zu stark an diese zu binden. Neben dem Ausdruck des „Genius Loci“ hat die Architektur auch die Aufgabe, den „Zug der Zeit“ zu repräsentieren – und da sieht man in Augsburg leider recht wenige Beispiele. Insofern ist Augsburgs Architektur auch die petrifizierte rückwärts gewandte psychische Landschaft der Menschen, die in dieser Stadt leben.

Die wenigen Gebäude in Augsburg, deren Gesicht in die Zukunft gerichtet ist, seien hier vorgestellt.

Weblinks


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