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Augsburg Boulevard

auch Augsburg-Boulevard.

Allgemeines

In Residenzstädten sprach man von "Prospekt", aber auch "Corso" oder "Avenue" sind Begriffe für das, was mit "Boulevard" gemeint ist. Das Wort stammt aus dem Mittelniederländischen ("bulwerke", zu deutsch "Bollwerk"). Das Wort wurde im 19. Jahrhundert in Frankreich ursprünglich für eine breite Ringstraße benutzt, die nach der Schleifung des Stadtwalles auf ihm angelegt worden war. Walles einer städtischen Befestigungsanlage auf demselben angelegt wurde. Sie umgeben folglich die ehemalige Kernstadt ringförmig. Hier siedelten sich neue bürgerliche Wirtschaftszweige an, aber auch Theater und öffentliche Institutionen. Boulevards wurden zu Kulissen für die bürgerlichen "Boulevardiers", Flaneure. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dehne man in Paris den Begriff auf einige der breiten geradlinigen Prachtstraßen aus, die ab 1850 geschaffen wurden (Boulevard Saint-Michel etc.). Als Bühnen der Welt gelten heute z. B. die Avenue des Champs-Élysées in Paris, die Königsallee in Düsseldorf, die Wiener Ringstraße, der Kurfürstendamm in Berlin, die Via del Corso in Rom, die Oxford Street in London, die Maximilianstraße in München oder der Newskij Prospekt in Sankt Petersburg. In Nordamerika sind die Fifth Avenue in New York, der Sunset Boulevard in Los Angeles oder der Las Vegas Strip in Las Vegas bekannt.

Möglicherweise waren es diese Beispiele, die den "Augsburg Boulevard" inspirierten, ein Projekt, das aus dem Ideenwettbewerb Innenstadt hervorging und damals den ersten Preis errang. Mit dem Begriff wird danach der Straßenzug zwischen dem Theodor-Heuss-Platz und dem Theater Augsburg bezeichnet. Im Süden nimmt der Boulevard also die Konrad-Adenauer-Allee ein. Dort ist er durch den bestehenden, parkähnlichen Grünzug geprägt. Zwischen dem südlichen Teil des Boulevards und dem durch die Fuggerstraße? bezeichneten nördlichen Teil liegt der Königsplatz. Laut Plan soll dieser nördliche Teil durch eine vierreihige Allee mit Flaniermeile in der Mitte ausgebaut werden. Breite Gehwege und Bewegungsflächen für Fußgänger, Spaziergänger und Flaneure sollen die Aufenthaltsqualität aufwerten, heißt es im Masterplan.

Geschichte

Am 22. Juli 2009 beschloss der Augsburger Stadtrat die Aufstellung des Bebauungsplans "Königsplatz und Augsburg-Boulevard", worauf vom 3. August bis zum 25. September 2009 die zur Planung gesetzlich vorgeschriebene Öffentlichkeitsbeteiligung stattfand.

Am 8. April 2011 begannen die Bauarbeiten. Am 18. April 2011 wurde die Holbeinstraße? gesperrt und damit die erste Bauphase des Gesamtprojektes eröffnet. Am 26. April folgte die Sperrung der Schaezlerstraße zwischen Prinzregentenstraße und Bahnhofstraße.

Details

Zum Scheitern verurteiltes Konzept?

Selbst das Politbüro der ehemaligen SED brauchte mit "Unter den Linden" eine repräsentative Allee, um Truppenparaden abzunehmen oder eine Protokollstracke für ausländischen Staatsbesuch zu haben. Doch wozu braucht Augsburg den "Augsburg Boulevard" fragen viele Kritiker der Idee. Boulevards, so die Kritik weiter, seien "Salons des 19. Jahrhunderts", nicht aber städtebauliche Formen des 21. Jahrhunderts. Hier zeige sich wieder der rückwärtsgewandte, uninspirierte Geist des konservativen Augsburgs von heute. Andere Augsburger meinen, dass die Stadt zu klein für eine Magistrale dieser Art sei. Augsburg habe mit der Maximilianstraße eine der schönsten europäischen Straßen: Wozu, so die Frage, braucht Augsburg eine zweite "Prachtstraße", wenn es doch schon nicht mit seiner ersten "Prachtstraße" umzugehen wissen, wie die städtebaulichen Experimente der letzten Jahre in der Maximilianstraße gezeigt hätten.

Viele Kritiker des Augsburg Boulevards beantworten die Frage, ob die egalitäre Massengesellschaft heute überhaupt noch eines Boulevards fähig oder bedürftig ist, mit nein. Ein Boulevard hat ja die zweckfreie Aufgabe aller großen Straßen der Welt: die Menge mit sich selbst zu imponieren. Auf einem Boulevard wird nicht Arbeitsraum zur Verfügung gestellt oder das Warenhaus präsentiert, in dem eingekauft werden soll, sondern es geht um das zweckfreie Sehen und Gesehen werden. In der Gesellschaft des Internets mit Facebook und Twitter, Google und Chats ist es heute noch schwerer für solche Boulevards geworden. Die meisten verderben oder kommen herunter. Nur selten gelingt es, einen neuen Boulevard zu etablieren. Ob mit dem Augsburg-Boulevard eine neue Bühne bereitet wird, auf der das alte Stück gespielt wird, darf mit Recht bezweifelt werden. Es scheint am Mangel des Denkens in Augsburg zu liegen, dass man eine Idee des 19. Jahrhunderts aufgreift, um das Augsburg von Morgen zu gestalten. Denn der Augsburg Boulevard ist noch bevor er steht ruiniert, weil man in Augsburg die Idee eines Boulevards verkannt hat.

Bei der Ausschreibung des Ideenwettbewerbs Innenstadt war es in Augsburg nicht anders als in anderen Städten: Die Politik wusste nicht mehr weiter und hat die Architekten befragt, indem ein Wettbewerb ausgeschrieben wurde, der ihr Ideen geben sollte. Eigentlich also lautete der Auftrag: Denkt bitte ihr, ihr Architekten, über die zukünftige Gesellschaft in Augsburg nach! Das aber können Architekten in den meisten Fällen nicht, und es ist Aufgabe der Politik die zukünftige Gesellschaft in einem Staat, einer Stadt zu planen.

Verkehrsführung

Durch das Konzept des Augsburg Boulevards verändert sich das bisherige Anfahren der Innenstadt? entscheidend.

Kosten

Im März 2010 gingen Verantwortliche der Stadt Augsburg davon aus, dass das Projekt bis zu 30 Millionen Euro kosten könnte, also etwa zehn Millionen Euro teurer kommen könnte als die frühere Planung, die im November 2007 in einem Bürgerentscheid? abgelehnt wurde.

Weblinks


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