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Aphrodite-Kunstskandal

Ein in den Jahren 2000 bis 2002 überregional Aufsehen erregender Kunstskandal um die Bronzefigur "Aphrodite" des deutschen Künstlers Markus Lüpertz.

Aphrodite - in Augsburg Göttin des Ärgers

Im Jahr 2000 beabsichtigte die Herausgeberin der Augsburger Allgemeinen Ellinor Holland zum Gedenken an den 100. Geburtstag ihres Vaters der Stadt Augsburg eine Skulptur für den öffentlichen Raum zu schenken. Es sollte ein Werk von Markus Lüpertz? sein. Eine Bronze-Figur mit dem wunderbaren Namen „Aphrodite" sollte auf den Ulrichsplatz vor die Augsburger Kirchen Sankt Ulrich und Afra und Evangelisch Sankt Ulrich kommen. Der Oberbürgermeister war begeistert, viele Augsburger auch und natürlich der Künstler und die Tageszeitung. Damit sich die Augsburger an die knubbelige Frau gewöhnen konnten, die mit ihrem schamrot angemalten Metallgesicht irgendwie nicht nach Aphrodite, der Göttin von Liebe und Schönheit, ausschaute, wurde sie im Foyer des Augsburger Rathauses ausgestellt. Die Emotionen der Augsburger kochten hoch und es bildete sich eine Art Bürgerverein, der gegen diese Lüpertz-Aphrodite Stellung bezog und verhindern wollte, dass sie vor den Augsburger Ulrichs-Kirchen? aufgestellt wurde. Auf einer Bürgerversammlung wandten sich 90 Prozent der anwesenden Augsburger gegen die 500.000 Euro teure Bronzefigur, weil sie ihnen zu hässlich war, worauf der Stadtrat beschloss einen neuen Standort zu suchen.

Die aufgewühlten Augsburger Gemüter verstanden einfach nicht, wie Markus Lüpertz? dieses eigenartig dreinblickende und auf den ersten Blick so gar nicht hübsch gebaute weibliches Wesen eine „Aphrodite" darstellen konnte. Sie hatten wahrscheinlich die Grundidee des Künstlers nicht verstanden, dass jede Frau eine Aphrodite sein kann. Es hagelte Proteste. Auch Augsburgs Bewohnerinnen schrieben empörte Leserbriefe und diverse Schmähgedichte gegen die Lüpertz-Figur. Der Oberbürgermeister ruderte zurück und konnte sich nicht mehr an seine Zusage erinnern, diese provozierende „Aphrodite" auf dem Ulrichsplatz aufzustellen.

Auf einer heftigen „Aphrodite"-Diskussion warf sich der angegriffene anwesende Künstler gegen Augsburger Kunstbanausen in den Kampf und wurde anschließend verklagt, weil er im Gefecht eine Ohrfeige oder einen Kinnhaken ausgeteilt habe. Dieser Kunstskandal erregte bald nicht nur die eingeschworenen Lüpertz-Fans, sondern auch die gesamte Kunstwelt, die es nicht fassen konnte, welchen Emotionen eine knubbelige Frau mit schamrotem Gesicht, die als „Aphrodite" bezeichnet wird, in Augsburg hervorrufen konnte. Augsburg schafft es selten mit Kunst und Kultur überregional Aufsehen zu erregen. Die „Aphrodite"-Abwehr-Schlacht Augsburgs aber wurde zum internationalen Gesprächsstoff. Nach dem Motto: „Lieber eine schlechten Ruf als gar keinen." Dieses Kunstbanausen-Negativ-Image konnte die Augsburger Kunst-Szene erst wieder durch die Eröffnung der Museen im Glaspalast vergessen machen.

Vielleicht hätten sich die Augsburger Bilderstürmer im Reichstag zu Berlin die Lüpertz-Skulptur „Die Philosophin" betrachten sollen. Sie hätte ihnen das Nachdenken über Kunst angeraten. Dann wären sie vielleicht auf den guten Gedanken gekommen: Kunst soll nicht aufregen, sondern anregen!

Nun steht die von den Augsburgern verschmähte „Aphrodite" immer noch mit schamrotem Gesicht im Hof des Augsburger Medienzentrums?. Dort kann sie die Verlegerin Ellinor Holland, die Geldgeberin, nach dem zwei Jahre dauernden Streit jeden Tag betrachten. Tolerante Kunstliebhaber können trotz des Aphrodite-Skandals nicht nur am Stadtrand, sondern mitten in Augsburg eine Lüpertz-Frauen-Figur betrachten: im Kunstmuseum Walter! Ohne jeglichen Tumult ist da die Skulptur „Mallorca" zu bestaunen, die völlig entspannt neben Lüpertz-Bildern wie „Panzerknacker", „Schule der Philosophen" oder „Männer ohne Frauen" steht.

Bild: Aphrodite von Lüpertz © Eva Stuhlmüller (www.augsburg-parrot.de)

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